Neuveröffentlichungen und Lesetipps zum Thema „Ältere Migrantinnen und Migranten“:
2010
Arbeitskreis "Migration und öffentliche Gesundheit": Migrationssensible Datenerhebung für die Gesundheits- und Pflegeberichterstattung. Herausgegeben von der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, Berlin 2010. 170 Seiten. Als PDF verfügbar unter --> Link.
Im November 2008 wurde eine Fachkonferenz mit Expertinnen und Experten aus Bund, Ländern und Kommunen, Wissenschaft, Verbänden und Praxis zur Diskussion der Möglichkeiten der Bereitstellung von aussagekräftigeren Daten zu Migration mit dem Schwerpunkt auf drei Gesundheitssektoren (stationäre Einrichtungen, Pflege und psychosoziale Einrichtungen) durchgeführt. In dieser Dokumentation finden sich die Beiträge der Teilnehmer sowie je ein die Diskussion in den Workshops zusammenfassender Artikel. Im Themenfeld Krankenhaus wurden u. a. Methodik und Nützlichkeit verschiedener Datenerfassungs- und Datenverarbeitungsmaßnahmen einzelner Kliniken diskutiert. Im Workshop Pflege beschäftigte man sich u. a. mit kommunaler, Migranten integrierender Altenhilfeplanung. Im Workshop Psychosoziale Versorgung wurde u. a. über methodische und inhaltliche Aspekte psychosozialer Versorgung und Migrationsforschung diskutiert.
Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Hg.): Migration und Gesundheit. (Blickpunkt Integration, 01/2010). --> Link
Mit dem ersten Blickpunkt des Jahres 2010 stellte das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge ein reichhaltiges Informationspaket zum Thema Migration und Gesundheit zusammen. Neben einem Bericht zur unterdurchschnittlichen gesundheitlichen Lage von Migranten stellt ein anderer Beitrag die wichtigsten Entwicklungen in der kultursensiblen Altenhilfe zusammen. Zusätzlich finden sich viele Hinweise auf Online- und Printangebote sowie mehrere Projektberichte, die sich allgemein mit dem Wechselverhältnis von Migration und Gesundheit beschäftigen.
Falge, Christiane; Fischer-Lescano, Andreas; Sieveking, Klaus (Hg.): Gesundheit in der Illegalität. Rechte von Menschen ohne Aufenthaltsstatus. Baden-Baden: Nomos, 2010. 237 Seiten. 58,00 EUR. ISBN 978-3-8329-4784-2.
Der Band trägt die Ergebnisse einer interdisziplinären Konferenz vom 7.-8. November 2008 in Bremen zusammen. Das Problem der Exklusion von Menschen ohne Aufenthaltsstatus aus dem Gesundheitssystem wird sowohl aus nationaler, europäischer und internationaler Sicht als auch aus rechtlicher Perspektive beleuchtet. Das erste Kapitel widmet sich illegalem Leben in Deutschland. Das zweite Kapitel beinhaltet Beiträge zu Versorgungspraxen in einzelnen Ländern Deutschlands sowie einzelner europäischer Staaten. Sodann werden juristische Rahmenbedingungen in Deutschland und, in Zusammenhang mit den verschiedenen nationalen Asylrechtsregelungen, in anderen europäischen Ländern sowie die Probleme, die sich dem Arzt bei Behandlung eines Patienten ohne legalen Status im Spannungsfeld zwischen humanistischer Ethik, Legalität und Schweigepflicht stellen, in den Blick genommen. Zuletzt werden potentielle Möglichkeiten internationaler Organisationen zur europa- und weltweiten Harmonisierung im Umgang mit Menschen ohne legalen Aufenthaltsstatus angedacht.
Hax-Schoppenhorst, Thomas; Jünger, Stefan: Seelische Gesundheit von Menschen mit Migrationshintergrund. Wegweiser für Pflegende. Stuttgart: Kohlhammer 2010. 150 Seiten. 24,00 EUR. ISBN: 978-3-170210-16-5.
Das Buch richtet sich explizit an bereits in der Pflege tätige Menschen sowie Auszubildende und Lehrende im Pflegebereich und führt mittels Merk- und Definitionsboxen, Checklisten, Interviews mit Fachleuten und Grafiken anschaulich und praxisnah in das Thema der psychischen Gesundheit von Migranten ein. Die Autoren stützen sich dabei auf gängige Studienergebnisse und verweisen regelmäßig auf vertiefende Literatur. Das Buch bietet grundlegende Informationen zum Thema Migration, beleuchtet den Zusammenhang von Migration und (seelischer) Gesundheit und geht konkret auf seelische Störungen bei Migranten ein. Im vierten Kapitel, welches verschiedene Patientengruppen in den Fokus nimmt, wird insbesondere auf bestehende Schwierigkeiten bei der Diagnose und Pflege dementer Migranten eingegangen. Neueste Tendenzen in der migrationsspezifischen Anamnese und hinsichtlich non-verbaler Demenzdiagnoseverfahren werden vorgestellt und zu Recht auf den dringenden Weiterentwicklungsbedarf verwiesen. In einem weiteren Unterkapitel widmen sich die Autoren der kultursensiblen Pflege. Diesbezüglich vertreten die Autoren den Standpunkt, dass Sachwissen über verschiedene Ethnien auf Seiten des Pflegepersonals – wenngleich hilfreich – nicht der entscheidende Punkt sei. Vielmehr führen die Autoren den Begriff einer ‚Sensivität’ für das Gegenüber ein, womit sie sich zu einem offenen Kulturbegriff bekennen und damit der heutzutage größeren Komplexität der Lebenszusammenhänge des Einzelnen Rechnung tragen. Der darin angelegten größeren Unbestimmtheit hinsichtlich konkreter Handlungsempfehlungen für eine kultursensible Pflege wird durch die detaillierte Beschreibung von Problembeispielen und deren Lösungsstrategien entgegengewirkt.
Hegemann, Thomas; Salman, Ramazan (Hg.): Handbuch Transkulturelle Psychiatrie. Bonn: Psychiatrie-Verlag, 2010. 488 Seiten. 39,95 Euro. ISBN 978-3-88414-467-1.
Das „Handbuch Transkulturelle Psychiatrie" ist die vollständig überarbeitete Neuausgabe des Standardwerks zur Arbeit mit Menschen mit Migrationshintergrund. Seelische Leiden beschreiben Einwanderer meistens ganz anders als Einheimische, was trotz guter sprachlicher Verständigung zu falschen Diagnosen und falscher Behandlung führen kann. In insgesamt 27 Beiträgen wird u. a. auf den kulturellen Hintergrund verschiedener Patientengruppen und ihr spezifisches Fühlen, Denken und Handeln eingegangen. Daneben stehen Beiträge zu den Themen Frauen in der Migration, Versorgung von Menschen ohne Papiere, Trauma, theoretische und methodische Grundlagen der Forschung sowie zielgruppenspezifische Erfordernisse und ausgewählte Arbeitsbereiche in der transkulturellen Psychiatrie. Auch zu sozialer Lage, Bedarf und Versorgungsrealität älterer Migranten findet sich ein Beitrag, der insbesondere auf die Inanspruchnahme von Hilfeleistungen durch ältere Migranten, Altersbilder und psychische Gesundheit sowie die Belastungen, denen Pflegende älterer Migranten ausgesetzt sein können, eingeht und Handlungsbedarf aufzeigt (S. 301-316). Ein weiterer Beitrag stellt interkulturelle Kompetenz im psychiatrischen Krankenhaus in den Mittelpunkt (S. 333-349).
Integrationsbüro der Stadt Paderborn (Hg.): Verbesserung der Angebote und Prozesse in der Altenhilfe für Menschen mit Zuwanderungsgeschichte. Abschlussbericht des Projektes KOMM-IN. Unter Mitarbeit von Marcus Heidebrecht und Hans Wietert-Wehkamp. In Zusammenarbeit mit dem Institut für soziale Innovation, Solingen. Paderborn 2010. 66 Seiten. Kostenlos online verfügbar unter -->Link
Ziel des Förderprojektes KOMM-IN war es, die kommunalen Angebote, Strukturen und Prozesse zur Integration von Migranten in NRW nachhaltig zu verbessern. Hier liegt nun der Abschlussbericht der Stadt Paderborn vor, deren Projekt sich speziell mit älteren Migranten befasste. In einem Dreischritt wurden zuerst Grunddaten und Erkenntnisse zur Lebens- und Versorgungssituation älterer Migranten in Paderborn gewonnen, sodann ein Konzept zum Aufbau eines Sprach- und Kulturmittlerdienstes entwickelt und erprobt sowie schlussendlich ein Gesamtkonzept zur interkulturellen Orientierung von Einrichtungen der Altenhilfe erarbeitet. Die Ergebnisse werden durch die ausführliche Darstellung von Überlegungen, Schlussfolgerungen und darauf folgende Aktivitäten ergänzt. Am Ende erweist sich der Projektbericht als Handlungskonzept, das durchaus eine Übertragbarkeit in andere Kommunen aufweist.
Ministerium für Generationen, Familie, Frauen und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen (Hrsg.): Bericht über das Projekt. Aktives Altern älterer Menschen mit Zuwanderungsgeschichte (AAMEE) vom 01.12.2007 bis 30.11.2009 (MGFFI Publikationen, 1106). Düsseldorf 2010. 175 Seiten. --> Link .
Das Projekt „Active Ageing of Migrant Elders across Europe“ sollte die aktive Teilhabe und Chancengerechtigkeit im Alter unterstützen sowie die Öffentlichkeit für das Thema und die damit einhergehenden Chancen sensibilisieren. Im Abschlussbericht des zweijährigen Projektes werden nun alle Aktivitäten und die vielfältigen Ergebnisse des Projekts dokumentiert. Neben Berichten über die 2008 durchgeführte Konferenz werden beispielsweise die Konzepte aller Preisträger der beiden europäischen Good-Practice-Wettbewerbe (Kapitel 5) und konkrete Handlungsempfehlungen zur Stärkung und Anregung ehrenamtlicher Arbeit für und mit älteren Migranten aufgeführt (Kapitel 8). Das neunte Kapitel bietet einen nach Forschungsbereichen wie z.B. Wohnsituation, Gesundheit, Einkommen, gesellschaftliches Verhaltensmuster oder Weiterbildung gegliederten Überblick über die Grundsätze, Aktivitäten und Ergebnisse des im Rahmen des Projekts entstandenen europäischen Forschungsnetzwerks und schließt mit dessen Empfehlungen für ein europäisches Aktionsprogramm. Enthalten ist außerdem ein ausführlicher Dokumentenanhang, u. a. mit Programmen und Auswertungen der im Rahmen des Projekts durchgeführten Workshops, Konferenzdokumenten, deutschen und französischen Pressemitteilungen zum Projekt, einer Linkliste sowie einer ausführlichen Literaturliste zum Thema.
Ministerium für Generationen, Familie, Frauen und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen (Hrsg.): Gute Beispiele in Europa. Aktives Altern älterer Menschen mit Zuwanderungsgeschichte (MGFFI Publikationen, 1105). Düsseldorf 2010. 78 Seiten. --> Link.
Die ebenfalls im Rahmen des AAMEE-Projekts vom nordrhein-westfälischen Ministerium für Generationen, Familie, Frauen und Integration herausgegebene Zusammenstellung besonders guter Beispiele für Projekte in Europa mit dem Ziel, die Situation älterer Migranten zu verbessern, gliedert sich in zwei Bereiche: Im ersten Teil werden insgesamt 47 Projekte nach thematischen Schwerpunkten angeordnet vorgestellt. Diese Schwerpunkte sind im Einzelnen: Betreutes Wohnen und Verbesserung der Wohn- und Lebenssituation, Sportliche Aktivitäten, Förderung des interkulturellen Verständnisses, Zusammenleben von Jüngeren und Älteren, Förderung von Gesundheit, Zusammenleben im Stadtteil und Allgemeine Integrationsförderung. Es wird hier insbesondere deutlich, dass ältere Menschen mit Zuwanderungsgeschichte nicht nur Zielgruppe von Projekten sind, sondern darin oft auch konkret einen wichtigen Beitrag leisten. Im zweiten Teil der Broschüre werden praktische Empfehlungen für die ehrenamtliche Arbeit mit älteren Migranten in Europa gegeben. Insgesamt bietet die Broschüre Engagierten Inspiration für eigene Aktivitäten und durch die übersichtliche und detaillierte Beschreibung der einzelnen Initiativen und die Bereitstellung der Projektkontaktdaten eine gute Informations- und Networkinggrundlage.
Oberbürgermeister der Stadt Hamm (Hg.): Handlungskonzept zur Integration Älterer Migrantinnen und Migranten in das Netz der Altenhilfe in Hamm. Fachbereich Jugend, Gesundheit und Soziales. Hamm, März 2010. 12 Seiten. Kostenloser PDF-Download --> Link
Im Rahmen einer zukunftsorientierten Seniorenpolitik ist die Stadt Hamm dabei, in ihren neun Sozialräumen die Rahmenbedingungen für ein aktives Altern aufzubauen. Vom landesweiten Projekt KOMM-IN gefördert wird auch in Hamm die Entwicklung von bedarfsgerechten Angeboten für ältere Migranten angestrebt. Die Ergebnisse einer dazu durchgeführten Befragung finden sich in der vorliegenden Publikation ebenso wiedergegeben wie die darauf aufbauenden Handlungsempfehlungen, die in vier thematische Abschnitte gegliedert sind: Weiterentwicklung der Seniorenarbeit, Wohnen im Alter, Gestaltung des öffentlichen Raums und gesundheitliche und pflegerische Versorgung. Dabei finden sich konkrete Vorschläge unter Nennung möglicher Partner z. B. zur Verbesserung der zielgruppenorientierten Öffentlichkeitsarbeit in der Altenhilfe, der stärkeren Einbindung von Migrantenselbstorganisationen, der Ausweitung des zielgruppenorientierten Freizeitangebots oder der Verminderung von Sprachbarrieren im Gesundheitssektor.
pflegen: demenz. Zeitschrift für die professionelle Pflege von Personen mit Demenz, Themenheft: Migration, Jg. 14, 1. Ausgabe 2010. Herausgegeben von Detlef Rüsing. Mit Audio-CD „Lieder aus der Heimat. Volkslieder aus Russland, Polen und der Türkei“. 50 Seiten. 16,00 EUR. ISSN 1863-5806 (Heft und CD).
Mit der Ausgabe „Migration“ erhält der Leser viele interessante Perspektiven auf ein Thema, das auch bei älteren Migranten in Zukunft immer wichtiger werden wird: Demenz. Der Beitrag von Detlef Rüsing stellt die Frage, welchen Stellenwert (die deutsche und die „eigene“) Sprache bei älteren Migranten mit Demenz hat und wie die Pflegebranche darauf reagieren kann (S. 4-6). Ein weiterer Artikel gibt Einblick in grundlegende Fragen: Wie ist der aktuelle Sachstand beim Thema Demenz und Migration? Wie groß ist die Gruppe der Betroffenen und welche Besonderheiten kennzeichnet sie? (S. 8-13). Mehrere interessante Beiträge teilen Erfahrungen aus dem Berufsalltag in der Altenpflege mit: Neben zwei Erfahrungsberichten mit älteren Migranten aus dem Pflegealltag beschreibt ein Inhaber eines Pflegedienstes sein Konzept kultursensibler Tagespflege (S. 15-17). Mit „TRAKULA“ wird ein transkulturelles Assessment-Instrument zur Diagnose von Demenz vorgestellt, das ohne Vorhandensein von deutschen Sprachkenntnissen beim Patienten auskommen soll (S. 30-33). Als Beispiel für eine erfolgreiche kultursensible stationäre Altenpflege stellt sich die „Mediterrane Station“ in Zürich vor (S. 34-37). Allgemeinen Überblick im Forschungsdschungel rund um Demenz gibt die Pflegewissenschaftlerin Sabine Lins (S. 40-43). Viele Hinweise auf verwendete und weiterführende Studien und Literatur machen die Ausgabe der Zeitschrift zur hilfreichen Informationsquelle zum Thema Demenz bei älteren Migranten. Dem Heft liegt eine CD mit Liedern aus verschiedenen Kultur- und Sprachräumen bei, die bei der Pflege älterer Migranten unterstützend eingesetzt werden kann.
Rüschoff, Ibrahim S.; Laabdallaoui, Malika: Umgang mit muslimischen Patienten. Bonn: Psychiatrie-Verlag, 2010. 144 Seiten. 14,95 EUR. ISBN 978-3-88414-484-8.
An die Zielgruppe aller psychiatrisch Tätigen gerichtet bietet der Band kompakt und konkret Hilfestellung im Umgang mit muslimischen Patienten. Nach einem einführenden Kapitel zum Selbstverständnis des Islam widmet sich das zweite Kapitel konkret Erfahrungen mit Muslimen in der Psychiatrie und Psychotherapie. Der inneren Einstellung der Helfenden wird das dritte Kapitel gewidmet. Da der familiäre Bereich für die psychosoziale Arbeit von hoher Bedeutung ist, erklären die Autoren im vierten Kapitel ausführlich hier potentiell vorhandene Sensibilitäten von Muslimen. Das letzte Kapitel widmet sich der Frage, wie sich traditionelle Heilmethoden im Islam und moderne Psychiatrie miteinander in Einklang bringen lassen. Die vielen Tipps sind von dem Bemühen geprägt, muslimischen Patienten „[…] dort abzuholen, wo sie stehen, und ihre Lebenswelt ernst zu nehmen“ (S. 8). Dazu geben die Autoren auch Hinweise zum respektvollen argumentativen Vorgehen gegenüber muslimischen Patienten.
Yildiz, Yalcin: Migration - Familie - Alter. Altern und Generationsbeziehungen im Migrationskontext Eine Studie über die familialen Lebenswelten Sozialisationsprozesse und Handlungsressourcen älterer türkischer Väter in Deutschland zwischen Tradition und Moderne. Hamburg: Verlag Dr. Kovač 2010. 598 Seiten. 138,00 EUR. ISBN 978-3-8300-3966-2.
In der vorliegenden knapp 600 Seiten starken Doktorarbeit stellt der Sozialpädagoge Yalcin Yildiz ältere türkische Männer in Deutschland in den Mittelpunkt seines Forschungsinteresses. Die kritische Darstellung der Forschungslage in der Migrationsforschung sowie der Entwicklungen in der interdisziplinären Gerontologie und die ausführlich abgelegte Rechenschaft zum methodischen Design (Kapitel 4 bis 7) ist vor allem dem Anspruch einer Dissertation zuzurechnen und eher für wissenschaftliches Fachpublikum relevant. In den sechs geführten Interviews hingegen werden viele sozialpsychologische Punkte mit Relevanz für die praktische Arbeit mit älteren Türken herausgearbeitet. Dabei stellt der Autor fest, dass das Thema institutionalisierte Pflege von älteren Türken explizit ausgeklammert oder sogar abgelehnt wird. Yildiz begreift diesen Umstand aber als Stärke und konstituierendes Identitätsmerkmal dieser ersten Generation türkischer Gastarbeiter: Handlungsbedarf besteht aus dieser Sicht weniger in öffentlicher Förderung kultursensibler Institutionen der Altenhilfe, sondern eher in der Anpassung von politischen Rahmenbedingungen (Wiedereinführung der doppelten Staatsbürgerschaft, weniger Restriktionen bei dauerhaftem Auslandsaufenthalt und die Zuerkennung des kommunalen Wahlrechts). Praktisch wird für innovative sozialpädagogische Unterstützungsleistungen jenseits von Altenhilfe und Familienbeistand plädiert, die ältere Migranten in ihrer Unabhängigkeit unterstützt: Dem Konzept des kultursensiblen „Altenheims“ wird das eines – durchaus ethnisch homogenen, aber nicht isolierten – „gesellschaftlichen Heimes“ entgegengesetzt, welches Fürsorge und Selbstständigkeit in einem gemeinsam in Eigenverantwortung gestalteten Gebäude bieten soll (S. 488).
2009
Amt für Soziales, Fachstelle Leben im Alter (Hrsg.): Alter und Migration. Die Lebenssituation älterer Menschen im Kreis Bergstraße. Unter Mitarbeit von Martina Zwecker und der Ausländerbeauftragten des Kreises Bergstraße, Brigitte Paddenberg. Heppenheim, September 2009. --> Link.
Im Kreis Bergstraße rückt die Situation älterer Migranten immer mehr ins Blickfeld der Altenhilfepolitik. Der Bericht möchte Ansätze zur konkreten Ausgestaltung spezifischer Angebote für ältere Migranten liefern und dazu beitragen, dass die Belange älterer Migranten bei der Entwicklung von Qualifizierungsmaßnahmen oder in bürgerschaftlichem Engagement besser berücksichtigt werden. Der aktuelle Bericht beinhaltet statistische Daten, zeigt die Lebenslage älterer Zuwanderer auf und stellt Projekte und Veranstaltungen am Ort vor.
Arbeitskreis Migration der AWO Landesarbeitsgemeinschaft Nordrhein-Westfalen (Hrsg.): Die Zukunft jetzt gestalten. Wegweiser, Handlungsrahmen, Best-Practice der AWO-Integrationsagenturen. Essen, Januar 2009. 39 Seiten. --> Link.
Die vorliegende Broschüre gibt einen Überblick über die bisherigen Aufgaben und Leistungen der AWO-Integrationsagenturen in den verschiedenen Tätigkeitsfeldern. Neben der Darstellung der Perspektiven, die sich aus den Erfahrungen der ersten beiden Jahre ergeben haben, werden praktische Beispiele aus dem Alltag der Integrationsagenturen vorgestellt. So werden z. B. das Demenz-Servicezentrum in Gelsenkirchen (siehe auch S. 6-7 in diesem Newsletter) porträtiert und über das Projekt „Junioren für Senioren“ berichtet, bei dem junge Männer älteren Migranten als Ansprechpartner für Pflegefragen zur Verfügung stehen.
AWO Bezirksverband Niederrhein e.V.: Was wirklich wichtig ist. Vorsorgeordner für Menschen mit Migrationshintergrund in türkischer Übersetzung. Unter Mitarbeit von Arnd May und Wolfgang
Putz. Essen 2009. 19,50 EUR. Bestellung unter --> Link.
Im Jahr 2006 hat der AWO Bezirksverband Niederrhein e.V. mit der Herausgabe des Vorsorgeordners das Thema Selbstbestimmung aufgegriffen. Bei der nun vorliegenden türkischen Übersetzung wurde großer Wert auf eine verständliche Sprache und die Beachtung der Bedürfnisse dieser Zielgruppe gelegt. Der Ordner soll die Vorsorge erleichtern und dem Einzelnen die Möglichkeit bieten, alle Informationen systematisch zusammen zu tragen. Er bündelt Formulare und Informationen in fünf Kapiteln, etwa Notfallbestimmungen oder Entscheidungen im Todesfall. Speziell für türkische Migranten gibt es beispielsweise Hinweise auf Fragen nach Auslands-Überführungen im Todesfall. Die Überarbeitung in andere Sprachen (Russisch) erfolgt demnächst.
AWO Bezirksverband Württemberg e.V. (Hrsg.): Soziale Integration von älteren MigrantInnen in das System der Altenhilfe. Dokumentation einer Fachtagung. Stuttgart, 10. Juni 2008. Unter Mitarbeit von Sabine Grethlein und Marcel Faißt. Referat Altenhilfe und Referat Migration. Stuttgart 2009. 32 Seiten.
Mithilfe der Fachtagung in Stuttgart sollte die noch recht neue Herausforderung für die Institutionen der Altenhilfe deutlich gemacht werden, den Prozess der interkulturellen Öffnung anzustoßen und umzusetzen. Die Veranstaltung bot neben aktuellen Ergebnissen und Informationen zur interkulturellen Altenhilfe auch praktische Erfahrungen und Umsetzungskonzepte in diesem Bereich. In der Dokumentation finden sich Vorträge und Workshop-Ergebnisse, u. a. zur Notwendigkeit der Kultursensibilität oder dem Problem der mangelnden Inanspruchnahme von Angeboten durch die Zielgruppe der älteren Migranten.
Bandemer, Stephan von; Mavis-Richter, Canan: Kultursensible Gesundheitsversorgung. Institut Arbeit und Technik der Fachhochschule Gelsenkirchen(Forschung aktuell, 3/2009). Gelsenkirchen 2009. 10 Seiten. --> Link.
In diesem Aufsatz untersuchen die beiden Autoren die aktuelle Versorgungs- und Pflegesituationin Hinblick auf die Umsetzung kultursensibler Pflege. Sie weisen auf erhebliche Differenzen zwischen Versorgungsmöglichkeiten und tatsächlicher Anwendung hin, wofür eine zu geringe Beachtung individueller und kultureller Bedürfnisse auch in der Ausbildung des Fachpersonals verantwortlich ist. Kultursensible Ansätze sollten grundsätzlich in die medizinische und im weitesten Sinne gesundheitliche Versorgung eingebunden werden, um bereits vorhandene Bemühungen zu fördern und eine Verbesserung der Angebote wie auch der Therapieerfolge zu ermöglichen. Die Umsetzung von Ausbildungsinitiativen, besonders anhand des derzeit erprobten europäischen Qualifizierungskonzeptes ECVET, wird als geeigneter Rahmen empfohlen, der jedoch noch einen zu spärlichen Umfang aufweist und zur Verbesserung der Gesamtsituation erweitert werden müsste.
Die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration Maria Böhmer (Hrsg.): Grundsätze für das Monitoring und die Bewertung von Integrationspolitik. Conference on Indicators and Experiences in Monitoring Integration Policy. Berlin, 15 and 16 June 2009, Berlin 2009. 5 Seiten. --> Link.
Die Schaffung einer verbesserten und faktengestützten Bewertungsgrundlage der Integrationspolitik in den einzelnen Mitgliedstaaten war Thema der jüngsten Berliner EU-Konferenz, deren Dokumentation nun vorgelegt wurde. Das verabschiedete Eckpunktepapier sieht die Entwicklung eigener Indikatoren zur Evaluation, zur Messung von Fortschritten und als Entscheidungshilfe vor. Abgedeckt werden sollen unter anderem die Schwerpunktthemen Ausbildung, Sprache und Wohnen. Dazu haben sich die Teilnehmer auf zehn Grundsätze geeinigt, darunter Verstärkung des Wissensaustausches, Einbeziehung der Daten von Kindern der zweiten Generation, Berücksichtigung von geschlechts- und altersspezifischen Daten.
Die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration Maria Böhmer: Integration – Schlüsselaufgabe unserer Gesellschaft. In: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hrsg.): Zukunft gestalten – sozialen Zusammenhalt sichern. Nachhaltige Entwicklung durch bürgerschaftliches Engagement. Berlin, April 2009. S. 29-34. --> Link.
In dem Reader äußern sich unter Federführung des Bundesfamilienministeriums verschiedene Ressorts zur Förderung von Best-Practice Beispielen des bürgerschaftlichen Engagements. Maria Böhmer definiert in ihrem Beitrag Integration als Schlüsselaufgabe der Gesellschaft und verweist im Hinblick auf die demographische Entwicklung auf das Potential der Migranten. Sie stellt den Nationalen Integrationsplan als Beginn einer umfassenden gesellschaftlichen Einbeziehung vor, dankt bürgerschaftlichen Initiativen und verweist auf die Projektdatenbank zur Kontaktaufnahme
und Vernetzung der Bildungspaten-Projekte „Aktion zusammen wachsen“.
Die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration Maria Böhmer: Integration in Deutschland. Erster Integrationsindikatorenbericht. Erprobung des Indikatorensets und Bericht zum bundesweiten Integrationsmonitoring. Erstellt vom Institut für Sozialforschung und Gesellschaftspolitik und dem Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung: Forum Integration. Berlin, Juni 2009. 222 Seiten. --> Link.
Der erste Integrationsindikatorenbericht der Bundesregierung antwortet auf Fragen zum Stand und zu Trends der Integration, zu Fortschritten und Verbesserungsbedarf. Er unterscheidet auf der Grundlage verfügbarer Daten des Zeitraums 2005 bis 2007 in genauen Kriterien wie Alter, Geschlecht und Bildung, um eine aussagekräftige, bundesweite und regelmäßige Berichterstattung zu gewährleisten. So konnten explizite Aussagen für diverse Bereiche wie Rechtsstatus, Ausbildung, Arbeitsmarkt, soziale Integration und Partizipation, Gesundheit oder auch Wohnen ermittelt werden. Insgesamt konnten etliche Integrationsfortschritte festgestellt werden, besonders in der Gruppe der in Deutschland Geborenen mit Migrationshintergrund (Zweite Generation). In den Bereichen Erwerbslosigkeit und Armutsrisiko spielt Migration als Indikator weiterhin eine Rolle.
Borde, Theda; David, Matthias; Papies-Winkler, Ingrid: Lebenslage und gesundheitliche Versorgung von Menschen ohne Papiere. Frankfurt am Main, Mabuse 2009. 248 Seiten. 26,90 EUR. ISBN: 978-3-940529-36-7.
Menschen ohne Papiere, also ohne legalen Aufenthaltsstatus in Deutschland, sind besonderen gesundheitlichen Belastungen ausgesetzt, haben aber kaum Möglichkeiten, angemessene medizinische Versorgung zu erlangen. Der vorliegende Band beruht hauptsächlich auf Vorträgen des Migrations-Symposiums im Rahmen des Kongresses „Armut und Gesundheit 2008“ in Berlin. In den Beiträgen werden rechtliche, soziale und ökonomische Aspekte der Gesundheitsversorgung von irregulären Migranten diskutiert sowie Praxisbeispiele vorgestellt, die erfolgreich und mithilfe lokaler und internationaler Netzwerke medizinische Versorgung und ärztlichen Rat möglich machen konnten.
Börsch-Supan, Axel; Hank, Karsten; Jürges, Hendrik (Hrsg.): 50plus in Deutschland und Europa. Ergebnisse des Survey of Health, Ageing and Retirement in Europe. Wiesbaden, VS Verlag für Sozialwissenschaften 2009 (Alter(n) und Gesellschaft, Bd. 19). 194 Seiten. 34,90 EUR. ISBN: 978-3-531-16561-5.
Im Rahmen des Survey of Health wurden über 30.000 Personen im Alter von 50 Jahren und mehr aus 15 Ländern demographisch erfasst und über ihren Erwerbs- und Bildungsstatus, ihre wirtschaftliche und gesundheitliche Situation sowie das Renteneintrittsalter befragt. Die Ergebnisse dieser Studie werden im vorliegenden Band präsentiert. Innerhalb der drei behandelten Themen zu ökonomischen, sozialen und gesundheitlichen Aspekten des Alterns stellen mehrere Experten in acht Artikeln die Datenbasis im europäischen und internationalen Vergleich vor. Im Beitrag von Hendrik Jürges zeigt sich u. a., dass der Migrationsstatus im Kontrast zu Faktoren wie Einkommen und Bildung nur geringfügig auf die vermeidbare Ungleichheit der Gesundheit Älterer einwirkt.
Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Hrsg.): Interkultureller Kalender für das Jahr 2010. Nürnberg, Dezember 2009. --> Link.
Der interkulturelle Kalender des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge beinhaltet die bedeutendsten Feiertage der fünf größten Weltreligionen: Christliche, jüdische, islamische, hinduistische und buddhistische Feiertage. Nur als Download verfügbar.
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (Hrsg.): Migration und Gesundheitsförderung. Ergebnisse einer Tagung mit Expertinnen und Experten. Köln: BZgA 2009 (Gesundheitsförderung konkret, Bd. 12). 236 Seiten. ISBN: 978-3-937707-66-2. --> Link.
Aufklärungsmaßnahmen für die Allgemeinbevölkerung werden von vielen Menschen mit Zuwanderungsgeschichte gerne wahrgenommen, dennoch finden etliche Migranten aufgrund vielfältiger Barrieren keinen Zugang zu gesundheitlichen Informationen und Präventionsangeboten. Die BZgA thematisierte auf einer Fachtagung im Februar 2008 die zentralen Schwierigkeiten der betroffenen Gruppen und formulierte Lösungen zu Ansprechmöglichkeiten und notwendigen Rahmenbedingungen. Die vorliegende Dokumentation beinhaltet beispielhaft Bereiche wie Familienplanung, Impfungen und Vorsorgeuntersuchungen, aber auch ergebnisorientierte Handlungsempfehlungen.
Deschka, Marc: Medical pocket dictionary. Wörterbuch Medizin & Pflege. Deutsch-Englisch/Englisch-Deutsch. 4. Aufl. Melsungen: Bibliomed Med. Verl.-Ges. 2009. 224 Seiten. 9,90 EUR. ISBN: 978-3-89556-049-1.
Bereits in der vierten Auflage erscheint das handliche Wörterbuch für Medizin und Pflege. Es ist geeignet für die Kommunikation mit Patienten in der Praxis wie zum Nachschlagen einschlägiger Fachbegriffe. Basierend auf gängigem Schulenglisch bietet es rasch greifbar den medizinischen Grund- und Aufbauwortschatz, eine einfache Buchstabiertafel sowie im Anhang europäische und angelsächsische Maß- und Temperatureinheiten.
Dettbarn-Reggentin, Jürgen; Reichenbach, Michael (Hrsg.): Bau und Wohnkonzepte für alte und pflegebedürftige Menschen. Praxisbeispiele, Planungshilfen, technische Daten und medizinische Grundlagen. Merching: Forum Verlag 2009. 98 EUR. ISBN: 978-3-86586-014-9
Das überwiegend an Bauplaner, Architekten und Investoren gerichtete Planungshandbuch vermittelt notwendiges Basiswissen in verschiedenen Bereichen wie medizinisches Grundlagenwissen, Planungsgrundlagen zu Wohnformen und Wohnangeboten, Angaben zur Ausstattung der Lebensbereiche, technische Einbauten, Beispiele aus der Praxis und Arbeitshilfen. Es wird kontinuierlich aktualisiert und um neue Themen ergänzt. Im März 2009 erfolgte eine Aktualisierung durch die von Vera Gerling bearbeiteten Themen Alter und Migration (Kapitel 2.2.8) sowie Versorgung und Pflege von Migranten (Kapitel 3.11.8). In diesen beiden Kapiteln stellt Gerling allgemeine Grundlagen wie soziodemographische Strukturdaten, Lebensformen, Lebenslagen, Lebensentwürfe, pflegerische Bedürfnisse älterer Migranten und Anforderungen an die Altenhilfe dar. Im Abschnitt „Bisherige Erfahrungen“ werden bestehende interkulturell ausgerichtete stationäre Einrichtungen vorgestellt und u. a. auf das IKoM-Projekt verwiesen.
Deutscher Städtetag (Hg.): Ältere Menschen mit Migrationshintergrund als Handlungsfeld für Kommunen. Tagungsdokumentation einer gemeinsamen Veranstaltung am 13. Oktober 2008 in Berlin. Berlin und Köln: 2009. --> Link.
Die Dokumentation zur Tagung „Ältere Menschen mit Migrationshintergrund“ enthält Unterlagen zu den Vorträgen der Tagung sowie Kurzprotokolle zu den vier durchgeführten Workshops: Bürgerschaftliches Engagement und Partizipation, Gesundheit und Pflege, Wohnen und Wohnumfeld sowie Interkulturelle Begegnung. Im Anhang werden einzelne Projekte vorgestellt, z. B. das Interkulturelle Gesundheitsnetzwerk Bremen und das Kompetenz Zentrum „Interkulturelle Öffnung der Altenhilfe“ Berlin. Die vielen Recherchehinweise und Kontaktadressen eignen sich hervorragend als Grundlage für Informationsgewinnung und Netzwerkarbeit.
Dr. med. Mabuse, Zeitschrift für alle Gesundheitsberufe. Heft 178: Schwerpunktthema Migration und Gesundheit. Interkulturelle Altenhilfe – Versorgung von Migranten – Arzt in Norwegen. Mabuse Verlag 2009. 98 Seiten. 6,50 EUR. ISSN: 0173-430X.
Im Rahmen des Schwerpunktthemas wird im aktuellen Heft mit Aufsätzen, einem Interview, der Vorstellung von Literatur und einem Fernlehrgang eine sehr informative Rundumschau für Akteure und Interessierte der interkulturellen Medizin und Pflege geboten. Es soll ein Einblick in die gesundheitliche Versorgungslage von Menschen mit Migrationshintergrund gegeben werden, denen der Zugang zum Gesundheitssystem noch erschwert wird. In ihrem Aufsatz „Ungenutzte Potentiale“ (S. 24-26) weisen Matthias David und Theda Borde auf Mängel des Gesundheitssystems hin, in dem eine optimale medizinische Versorgung durch Kommunikationsprobleme und unpassende Versorgungskonzepte angesichts der steigenden Zahl von Migranten noch zu häufig verhindert wird. Julia Maier beleuchtet in ihrem Beitrag „Ein Stück Heimat: Wie interkulturelle Altenhilfe aussehen kann“ (S. 28-30) die Situation älterer Migranten in Deutschland. Diese sprechen auf die zurzeit sehr wenigen interkulturellen Heime besonders gut an, so dass der Bedarf an kulturübergreifenden Angeboten mit speziell geschultem, mehrsprachigem Personal und einem auch religiös authentischen Umfeld kaum hoch genug eingeschätzt werden kann. Schließlich stellt Bernd Siegler in seinem Bericht „Interkulturelle Kompetenzen erwerben“ (S. 38) den Fernlehrgang
„Migrantinnen und Migranten im Gesundheitswesen“ des cekib (Centrum für Kommunikation, Information und Bildung des Klinikums Nürnberg) vor. Dieser wendet sich speziell an verschiedene Berufsgruppen in den Bereichen Medizin, Pflege und Beratung und bietet Vertiefungen zum Thema Kultursensibilität.
Dressler, Dominique: Interkulturelle Kommunikation in der stationären Rehabilitation nach Unfällen. Erfahrungen und Ansichten der MitarbeiterInnen eines Rehabilitationszentrums zur Kommunikation mit PatientInnen mit Migrationshintergrund. Göttingen, Cuvillier 2009. 111 Seiten. 16,00 EUR. ISBN: 978-3-86727-907-9.
Mangelhafte Verständigung und mangelndes Verständnis sind Grundprobleme der medizinischen und stationären Versorgung von Migranten. Dominique Dressler untersuchte in ihrer Arbeit anhand einer qualitativen Studie mit Experteninterviews die Auswirkungen von Kommunikationsbarrieren auf den Verlauf von Rehabilitationen. Unfälle, damit verbundene Ängste und Schmerzen, aber auch der kulturell bedingte Umgang mit Krankheiten, etwa in der Äußerung von Schmerzempfindung, werden als problematisch empfunden und können den Fortschritt der Behandlung beeinflussen. Es bedarf demnach mehr als Laiendolmetschern, um den Erfolg von Behandlungen und Therapien zu gewährleisten, vielmehr sollten Barrieren erkannt und vermindert sowie kulturelle oder religiöse Merkmale im Rahmen einer bestmöglichen Betreuung berücksichtigt werden.
Erim, Yesim: Klinische Interkulturelle Psychotherapie. Ein Lehr- und Praxisbuch. Mit einem Geleitwort von Wolfgang Senf. Stuttgart: Kohlhammer 2009. 323 Seiten. 48,00 EUR. ISBN: 978-3-17-020849-0.
Interkulturelle Psychiatrie umfasst ein weites Spektrum migrationsspezifischer Besonderheiten, aber ebenso den nicht zu vernachlässigenden Raum kulturell bedingter Schwierigkeiten in der Erfahrungswelt der Patienten. Das vorliegende Lehrbuch möchte nicht nur dem bevölkerungsbedingt wachsenden Bedarf gerecht werden, sondern sowohl einheimische als auch bilingual-ethnische Therapeuten für die Arbeit mit Migranten sensibilisieren und ihre Kompetenzen steigern. Es informiert in verschiedenen Kapiteln, geschrieben von praxiserfahrenen Psychotherapeuten und Psychologen, über die Lebenswelten und den soziokulturellen Hintergrund der größten Migrantengruppen in Deutschland. Neben beispielhaften Fällen beinhaltet es Studien, Statistiken und praktische Hilfen wie Fragebögen und Kontaktadressen.
Eryilmaz, Aytac; Rapp, Martin: Wer spricht? Geteilte Erinnerungen in der Migrationsgesellschaft. In: Jahrbuch für Kulturpolitik 2009. Band 9, Thema: Erinnerungskulturen und Geschichtspolitik. Hrsg. von Bernd Wagner für das Institut für Kulturpolitik der Kulturpolitischen Gesellschaft. Essen, Klartext Verlag 2009. S. 271-279. 19,90 EUR. ISBN: 978-3-8375-0192-6.
Das Kapitel „Geschichte und Erinnerungen in der Einwanderungsgesellschaft“ des aktuellen Jahrbuches für Kulturpolitik spricht bislang unterrepräsentierte Facetten der Geschichtspolitik und des kulturellen Gedächtnisses an. Der darin enthaltene Beitrag von Eryilmaz und Rapp beschäftigt sich mit dem Thema Migrationsmuseen bzw. Erinnerungsräume und Repräsentation von Migration. Die Autoren plädieren für eine kritische Ausstellungspraxis und einen multiperspektivischen Blick auf Migrationsgeschichte. Dazu wurden vier Leitpunkte formuliert, etwa Kritik und Hinterfragung von Machtverhältnissen sowie die Einbeziehung der Migranten und ihrer Erfahrungen in die jeweiligen Ausstellungskonzepte.
Fachstelle für Suchtprävention im Land Berlin, pad e.V. (Hg.): Kümmern Sie sich um Ihre Gesundheit! Kleiner Wegweiser für Migrantinnen und Migranten in Berlin. Berlin: 2009. Bestellbar unter: Link.
Dieses Faltblatt gibt Informationen und Auskunft bei Fragen wie: „Wo finde ich Hilfe für meine Familie?“, „Wie kann ich mich krankenversichern?“, „Wo bekomme ich Hilfe bei Fragen zur Schwangerschaft, in Krisensituationen?“, „Wer hilft mir bei Fragen rund um das Thema Sucht und Suchtprävention?“. Es ist erhältlich in sechs Sprachen: Deutsch, Türkisch, Russisch, Polnisch, Vietnamesisch und Arabisch.
Gerling, Vera: Minority Ethnic Elders in Germany and the UK. A Comparison of Life Circumstances, Legal Conditions, Policy Issues. In: Walker, Alan; Naegele, Gerhard (Hrsg.): Social policy in Ageing Societies. Britain and Germany Compared. Basingstoke, Palgrave Macmillan 2009. S. 125-141. 68,99 EUR. ISBN: 978-0-230-52098.
Der Sammelband von Walker und Naegele beinhaltet eine vergleichende Studie zu Sozialpolitik und Altern in zwei der ältesten europäischen Sozialstaaten, Großbritannien und Deutschland. Die von Fachexperten verfassten Artikel beschreiben neben der aktuellen Situation und historischem Hintergrund die Leitlinien und Zielsetzungen in den jeweiligen Sachfeldern wie Ethnizität und Gesundheit, aber auch soziale Partizipation und Generationenbeziehungen. Zum Thema ältere Migranten sei insbesondere der Aufsatz von Vera Gerling genannt, die sich mit dem noch geringen, aber stetig wachsenden Anteil älterer Migranten in der Gesellschaft beschäftigt. Sie weist auf die damit verbundenen demographischen und soziokulturellen Entwicklungen hin sowie auf deren Erfordernisse und notwendige Handlungsschritte.
Gesundheit Berlin-Brandenburg e.V. Landesarbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung (Hrsg.): 14. Kongress Armut und Gesundheit „Gerechtigkeit schafft mehr Gesundheit für alle!“
und Satellitenveranstaltung „Sechs Jahre mehr Gesundheit für alle, Rückblick und Perspektiven“. Dokumentation des 14. bundesweiten Kongresses am 05. und 06. Dezember 2008 in Berlin.
CD-ROM, Berlin 2009. 5,00 EUR zzgl. Versand. ISBN: 978-3-939012-09-2.
Soziale Gerechtigkeit und gesundheitliche Chancengleichheit waren Themen und Diskussionsmittelpunkt des 14. Kongresses Armut und Gesundheit in Berlin. Die Beiträge zur Vorstellung zahlreicher Strategien gegen höheres Krankheitsrisiko und geringere Lebenserwartung von Menschen in benachteiligten Situationen liegen nun als Dokumentation auf CD-ROM vor. Das Themenspektrum beinhaltet u. a. den Zugang zur Gesundheitsversorgung bei Migranten und die gesundheitliche Lage älterer Menschen. Dazu zählt z. B. die Bedeutung des Zugehörigkeitsgefühls für die Gesundheitsförderung im Alter, vorgestellt von Heinz Trommer, oder der Beitrag von Hannah Diederich zur Lebenslage und Gesundheit im Migrationsprozess.
Universitätsstadt Gießen; Integrationsbeauftragte Sholeh Sharifi (Hrsg.): Interkultureller Gesundheitswegweiser der Universitätsstadt Gießen. Gießen 2009. 60 Seiten. --> Link.
Der interkulturelle Gesundheitswegweiser erfasst in acht Sprachen die diversen Stellen der medizinischen Versorgung mit mehrsprachigem Personal in Gießen, um fremdsprachigen
Bürgern den Zugang zu gesundheitlicher Beratung und Behandlung mithilfe muttersprachlicher Angebote zu erleichtern. Insgesamt 292 Adressen von Ärzten, Apotheken, Beratungsstellen und anderen Einrichtungen werden mitsamt den Angaben der jeweils gesprochenen Sprachen nach Fachgebiet aufgelistet. Aufgenommen wurden ebenso die Kontaktdaten der knapp 30 interkulturellen Gesundheitslotsen der Stadt.
Glodny, Susanne; Yilmaz, Yüce; Butenuth-Thör, Sylke: Pflegebegutachtung bei Migrantinnen und Migranten. In: Gaertner, Thomas; Gansweid, Barbara; Gerber, Hans u.a. (Hrsg.): Die Pflegeversicherung. Handbuch zur Begutachtung, Qualitätsprüfung, Beratung und Fortbildung. 2. aktualisierte und erw. Aufl. Berlin, de Gruyter 2009. S. 164-171. Mit Zusatzmaterial online. 39,90 EUR. ISBN: 978-3-11-020709-5.
Das Handbuch zur Pflegeversicherung möchte mit fachlich fundiertem Hintergrund und praxiserfahrenen Beiträgen auf die eingetretenen und zu erwartenden Veränderungen der Pflegereform reagieren sowie umfassende Grundlagen und Referenz bieten. Der Beitrag von Glodny, Yilmaz und Butenuth-Thör beschäftigt sich insbesondere mit der Pflegebegutachtung bei Migranten.
Diese Pflegebedürftigen werden überwiegend von ihren Angehörigen gepflegt und bedürfen daher eher Pflegegeld, aber weniger Pflegesach- oder Kombinationsleistungen. Die Autorinnen plädieren für eine spezielle Qualifizierung in interkultureller Kommunikation, um den Gutachtern eine angemessene und sensible Reaktion auf die Lebenslage der Versicherten zu ermöglichen. In der Pflegebegutachtung sollte demnach nicht nur den unterschiedlichen Bedürfnissen Rechnung getragen werden, sondern auch bekannten Aspekten wie Verständigungsschwierigkeiten, kulturellen und religiösen Gewohnheiten oder Zugangsbarrieren.
Habermann, Monika; Schenk, Liane; Albrecht, Nils-Jens, u. a.: Planung und Steuerung der Pflegeversorgung auch für Migranten und Migrantinnen? Eine Analyse der Pflege- und esundheitsberichterstattung in der ambulanten und stationären Altenpflege. In: Das Gesundheitswesen 71 (2009), Heft 6, S. 363-367. ISSN: 0941- 3790. 25,00 USD.
Zur Sicherstellung der Altenpflegeplanung gewinnt die Berücksichtigung älterer Migranten zunehmend an Bedeutung. Im vorliegenden Aufsatz zu Planung und Steuerung analysieren die Autoren diverse Datenquellen zum Thema Pflege auf die Einbeziehung dieser Bevölkerungsgruppe hin. Das Fazit der Untersuchung zeigt, dass Menschen mit Migrationshintergund in der Datenbasis unzureichend aufgenommen sind und meist weder als Pflegedienstleister noch als Patienten zu finden sind. Da sich professionelle Pflege am Bedarf orientieren muss, um eine effiziente Versorgung zu gewährleisten, wird eine Verbesserung der defizitären Datenerhebung dringend empfohlen.
Hamburger Volkshochschule (Hg.): Wegweiser für Seniorinnen und Senioren. Deutsch-Türkisch und Deutsch-Russisch. Behörde für Soziales, Familie Gesundheit und Verbraucherschutz Hamburg. Hamburg: 2009.
Die Behörde für Soziales, Familie, Gesundheit und Verbraucherschutz Hamburg hat zusammen mit der Hamburger Volkshochschule nun zum wiederholten Male einen jeweils zweisprachigen Wegweiser für Senioren in Hamburg herausgegeben. In der um weitere wichtige Informationen (z. B. zu Pflegestützpunkten in Hamburg, Beratungsangeboten im Alter oder Informationen zu betreutem Wohnen in Hamburg) erweiterten Auflage finden sich wieder viele nützliche Angebote und Kontaktadressen für ältere Migranten in Hamburg. Der Wegweiser ist bisher in türkisch-deutscher und russisch-deutscher Sprache bei der Hamburger Volkshochschule erhältlich. Besonders erwähnenswert sind spezielle Passagen, die Angebote konkret für die jeweilige Migrantengruppe zusammentragen. Im türkisch-deutschen Wegweiser wird z. B. zusätzlich auf die Fachstelle für demenzkranke türkische Menschen in Hamburg hingewiesen. Immer wieder wird durch den Hinweis auf themenbezogene weiterführende Informationsmaterialien in der jeweiligen Sprache ganz konkret Hilfestellung für die Zielgruppe und ihre Angehörigen geleistet.
Hegemann, Thomas; Oestereich, Cornelia: Einführung in die interkulturelle systemische Beratung und Therapie. Heidelberg: Carl Auer 2009. 126 Seiten. 12,95 EUR. ISBN: 978-3-89670-677-5.
Sprachbarrieren und kulturelle Fremdheit sollten einer professionellen psychotherapeutischen Beratung nicht im Weg stehen. Thomas Hegemann und Cornelia Oestereich haben anhand ihrer alltäglichen Erfahrungen in der psychiatrischen Praxis eine Einführung in die interkulturelle Arbeit zusammengestellt. Ausgangspunkt ist die Berücksichtigung ethnischer und kultureller Veränderungen einer multikulturellen Gesellschaft auch in diesem Bereich. Neben Grundlagen in Kulturaspekten und sozialen Kontexten enthält der Band ein an Experten gerichtetes Anwendungs- und Methodenkapitel, praktische Beispiele der interkulturellen Beratung sowie Vorschläge zur Organisationsentwicklung im Rahmen kultursensibler Dienste.
Heiden, Hans-Günter; Srna, Christiane; Franz, Katarina: Zugangswege in der Beratung chronisch kranker / behinderter Menschen mit Migrationshintergrund. Eine Feldstudie. Stiftung Lebensnerv.
Berlin, Februar 2009. 103 Seiten. --> Link.
Seit 2008 untersucht die Stiftung Lebensnerv den Beratungs- und Unterstützungsbedarf behinderter und chronisch kranker Menschen mit Migrationshintergrund. Die vom Bundesministerium für Gesundheit geförderte Feldstudie über Beratungszugänge wertet einen an Behindertenverbände, Experten, Einzelpersonen und Migrantenorganisationen gerichteten Fragebogen aus. Antworten, die durch unseren IKoM-Aufruf im letzten Jahr eingegangen sind, werden gesondert dargestellt. Anhand der ermittelten Ergebnisse werden praktische Empfehlungen für Beratungsstellen, Organisationen, Stiftungen und politisch Verantwortliche gegeben. Die Studie macht deutlich, dass Migranten mit den ohnehin nicht in großer Zahl vorhandenen und meist auch kaum auf Migranten zugeschnittenen Angeboten wenig vertraut sind. Besonders gewünscht wird rechtliche Beratung und konkrete Hilfe im Alltag. Um die Zugangsbarrieren für Migranten zu verringern, wird die Anwendung des „Diversity-Ansatzes“ empfohlen. Erst die Anerkennung der unterschiedlichen Bedürfnisse sowie kultureller Befindlichkeiten macht so die Schaffung einer optimalen Beratungsstruktur möglich.
Heinrich-Böll-Stiftung (Hrsg.): Dossier Migration und Gesundheit. Unter Mitarbeit von Martha Escalona-Zerpa und Olga Drossou. Berlin 2009. 106 Seiten. --> Link.
Mit diesem Dossier will die Heinrich-Böll-Stiftung zur interkulturellen Öffnung des Gesundheitssystems und zur kulturellen Sensibilisierung des Fachpersonals beitragen, um die Situation der Patienten aus anderen Kulturkreisen zu verbessern. Das Dossier bietet mehrere Beiträge zum Thema Belastungs- und Risikofaktoren, welche die Gesundheit von Migranten beeinflussen, aber auch Analysen der besonderen Bedürfnisse und Versorgungssituationen verschiedener in Deutschland lebender Migrantengruppen. Der Schwerpunkt wird auf das Selbstverständnis der trans- bzw. interkulturellen Psychiatrie und Psychologie gelegt, die in der Versorgung von psychisch Kranken aus anderen Kulturkreisen besonderen Herausforderungen gegenübersteht. Zur sozialen Lage und Gesundheit älterer Migranten äußert sich Feyza Palecek in ihrem Aufsatz ab S. 36. Ihr Fazit: Die Angebote der Altenhilfe müssen stärker als bisher den besonderen Erfordernissen angepasst werden.
Herrmann, Fatma: Künstlerische Gestaltung in der interkulturellen Erwachsenenbildung. Entwicklung eines partizipativen Handlungsmodells. Diss. Freie Universität Berlin 2008. Wiesbaden, VS Verlag für Sozialwissenschaften 2009. 176 Seiten. 29,90 EUR. ISBN: 978-3-531-16624-7.
Zeitgenössische Kunst in der interkulturellen Erwachsenenbildung ersetzt den Vorrang der Sprache und fördert somit die Kommunikation zwischen Deutschen und Migranten.
Fatma Herrmann ersetzt in ihrer Dissertationsarbeit mit dieser partizipativen Handlungsebene sprachdominierte Interaktionsmodelle. Wechselseitige Verständigung und Anerkennung
sollen damit besser gewährleistet, die Erwachsenenbildung in einer multikulturellen Gesellschaft gerechter gestaltet sein. Die bildliche Mitteilungsart der künstlerischen Gestaltung kann gerade
für ältere Einwanderer von Vorteil sein und ihre Ausdrucksmöglichkeiten fördern.
Hubert, Sandra; Althammer, Jörg; Korucu-Rieger, Canan: Soziodemographische Merkmale und psychophysisches Befinden älterer türkischer Migrantinnen und Migranten in Deutschland. Eine Untersuchung auf Basis der Haupt- und Zusatzbefragung des Generations and Gender Survey der ersten Welle (Schriftenreihe des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung, Bd. 39). Berlin, Pro Business 2009. 176 Seiten. 16,80 EUR. ISBN: 978-3-86805-452-1.
Das Zentralinstitut für Ehe und Familie in der Gesellschaft (ZFG) der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt untersucht in einer aktuellen, auf der Zusatzbefragung zu einer internationalen Bevölkerungsumfrage basierenden Studie die soziale Lage und das Wohlbefinden der älteren türkischen Migranten in Deutschland. Die gewonnenen Daten wurden zur Bewertung mit jenen der Einwohner ohne Migrationshintergrund verglichen. Demnach sind türkische Migranten über 50 Jahre mehrheitlich gut integriert und fühlen sich trotz etlicher Belastungen überwiegend wohl.
Hauptfaktoren hierfür sind das familiäre Netzwerk und die gegenseitige Unterstützung. Die finanzielle Situation ist häufig schwieriger. Das Wohlbefinden beeinträchtigende Indikatoren sind mangelnde Sprachkenntnisse, finanzielle Probleme, geringer Integrationsgrad und Vereinsamung. Dies wiederum kann die gesundheitliche Lage auffällig beeinflussen und lässt sich laut Autoren wohl auf die frühere Anwerbepraxis zurückführen: Gering Qualifizierte sind häufiger von Arbeitslosigkeit und infolge dessen auch von Rentenarmut betroffen.
Infodrog, Schweizerische Koordinations- und Fachstelle Sucht (Hrsg.): Migrationsgerechte Suchtarbeit. Texte von der Praxis für die Praxis. Unter Mitarbeit von Marianne König-Setiadi und Aline Bernhardt-Keller. Bern, Infodrog 2009. 94 Seiten. Druckversion 15,00 CHF. ISBN: 978-3-9522791-5-1. --> Link .
Chancengerechtigkeit für Migranten und ihre Nachkommen soll gerade im Bereich der Gesundheitsversorgung, zu der auch die Suchthilfe gehört, angestrebt und gesichert werden. Das schweizerische Manual wendet sich an Fachleute und Akteure der Suchthilfe und bietet in diversen, sachbezogenen Kapiteln Hinweise für die Praxisarbeit und theoretische Anstöße zu spezifischen Problemen, etwa zum Thema Arbeit mit Dolmetschern. Ebenso werden häufige Schwierigkeiten und Tipps zur Überwindung eingebracht. Bestehende Angebote und Konzepte sollen somit geöffnet und hin zu einer migrationsgerechten Suchtarbeit praxistauglich verbessert werden. Erhältlich auch in Französisch und Italienisch.
Institut für Bildung und Kultur e.V. (Hg.): „Kultura 50+ Anketa“. Befragung der Abonnenten der russischsprachigen Zeitschrift „Πapтнep“ (Partner). Unter Mitarbeit von Flavia Nebauer. In Zusammenarbeit mit Information und Technik Nordrhein-Westfalen. Remscheid und Düsseldorf, IBK 2009. 44 Seiten. --> Link.
Kulturelle Aktivitäten und Interessen ermöglichen älteren Migranten eine Form der Partizipation, die nicht nur dem Selbstzweck und Wohlbefinden dient, sondern auch den sozialen Dialog fördert. Das Institut für Bildung und Kultur in Remscheid führte nach den Erfahrungen eines bei älteren russischsprachigen Menschen besonders positiv aufgenommenen Gesangsprojektes eine Befragung zum Kulturverhalten dieser Gruppe durch. Dabei wurden neben demographischen Merkmalen wie Alter und Geschlecht, Herkunftsland oder Familienstand auch Bildungsgrad und gesundheitlicher Zustand aufgenommen. Das Ergebnis spricht für ein lohnendes Feld weiterer Förderung und Kulturarbeit: Trotz zum Teil schwierigen äußeren, finanziellen oder gesundheitlichen Umständen sowie sprachlicher und weiterer Zugangsbarrieren betreiben knapp drei Viertel der Befragten aktiv künstlerisch-kreative Aktivitäten. Insgesamt sind die älteren Migranten aus der ehemaligen Sowjetunion sehr stark an Kultur und kulturellen Angeboten interessiert.
Jossen, Anja: Bewegungsgruppentherapie für psychisch kranke Migrantinnen. Konzeptuelle Überlegungen, theoretische Grundlagen, Evaluation und konkrete Umsetzungshilfen. Unter Mitarbeit von Janis Roth und Anja Sauser. Zürich: Seismo 2009. 74 Seiten. 18,50 EUR. ISBN 978-3-03777-069-6.
Die Autorinnen beschreiben in diesem Handbuch detailliert und spürbar aus der praktischen Erfahrung mit psychisch kranken Migranten heraus den Aufbau einer bewegungstherapie-orientierten, gruppenbasierten und überwiegend nonverbalen Ergänzungstherapie zur konventionellen psychologischen Behandlung von Migranten. Nach der knappen, aber präzisen Vorstellung konzeptioneller und theoretischer Grundlagen der Bewegungsgruppentherapie im zweiten Kapitel folgen im dritten Kapitel ausführliche Praxishinweise, die sowohl Rahmenbedingungen wie Details zur Verrechnung der Therapie mit Krankenkassen oder Kostenfaktoren für die bereitstellende Institution als auch Hinweise zur optimalen Gruppenzusammensetzung und -größe oder der Teilnahme von Übersetzern einschließen. Ebenfalls sehr praxisorientiert werden einzelne Übungen vorgestellt und teilweise durch Bilder illustriert, so dass diese einen äußerst nützlichen Leitfaden zur konkreten Gestaltung der Bewegungstherapie bilden. Im vierten Kapitel folgt eine eigens entworfene Evaluation des Konzepts. Abschließend weisen die Autorinnen noch auf Problemquellen der Therapie speziell bei Migranten hin, wie die notwendige Steigerung der Compliance (selbstständiges Durchführen der Übungen zu Hause) oder der Umgang mit unterschiedlichen Bewegungsniveaus innerhalb einer Gruppe. Fazit: Das Buch bietet eine praxisorientierte, detaillierte, aber auch schnell zugängliche Grundlage zum Aufbau einer Therapieergänzung für seelisch kranke Migranten.
Knipper, Michael; Bilgin, Yasar: Migration und Gesundheit. Eine Veröffentlichung der Konrad-Adenauer-Stiftung e.V. und der Türkisch-Deutschen-Gesundheitsstiftung e.V. Sankt Augustin 2009. 133 Seiten. 2,00 EUR. ISBN: 978-3-940955-55-5. --> Link.
Der gesundheitliche Zustand der in Deutschland lebenden Migranten entspricht aufgrund des jüngeren Durchschnittsalters im Schnitt der Gesamtbevölkerung. Michael Knipper und Yasar Bilgin legen mit dieser Bilanz eine Auswertung bereits vorhandener Untersuchungen vor. Ziel der Studie ist die Ermittlung von Zwischenergebnissen und die Formulierung des politischen und gesellschaftlichen Handlungsbedarfs im Hinblick auf Defizite wie Zugangsbarrieren und das Risiko der Fehlversorgung bei Kommunikationsproblemen. Abschließende Handlungsempfehlungen, etwa die Schaffung von zielraum- und sozialgruppenorientierten Angeboten, geben einen Anstoß zur Verbesserung der Versorgung im Gesundheitswesen.
Köck, Andrea; Murtaza, Muhammad S.: Muslime im Krankenhaus. Ein interreligiöser Ratgeber für das Krankenpflegepersonal. Norderstedt: Books on Demand, 2009. 116 Seiten, 13,50 EUR. ISBN 978-3-83911-741-5
Erklärtes Ziel der Autoren dieses Bandes ist es, eine interkulturelle Kompetenz beim Krankenhauspflegepersonal zu fördern, die „über den Beruf hinausgeht“ (S. 9) und dazu führen soll, „dass sich das zukünftige Pflegepersonal in die Gedankenwelt des Muslims hineinversetzen und so jede mögliche Situation […] kompetent lösen kann“ (ebd.). Während die ersten drei Kapitel eher wenig auf den Themenbereich Gesundheit bezogen sind, widmet sich das vierte Kapitel der Vereinbarkeit des Krankenhausalltages mit muslimischen religiösen Grundpflichten. Auch der Umgang mit Fasten im Krankenhaus sowie verschiedener Feiertage wird hier erörtert. Im letzten Kapitel finden sich weitere Fallbeispiele zu Anamnese, Kommunikation, gleichgeschlechtlicher Pflege, Ausdruck des Schmerzempfindens, Compliance, Krankenbesuchskultur, repressiver Toleranz und Sterbebegleitung im Zusammenhang mit muslimischen Patienten. Der Anhang enthält die Anschriften islamischer Vereinigungen und Organisationen in Deutschland.
Kofahl, Christopher; Holmann, Jannis; Möller-Bock, Bettina: Gesundheitsbezogene Selbsthilfe bei Menschen mit Migrationshintergrund. Chancen, Barrieren, Potenziale. In: Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz 52 (2009), Heft 1, S. 55–63. ISSN: 1437-1588.
Muttersprachliche Selbsthilfegruppen von ethnischen Minderheiten können weniger gut integrierten Migranten mit gesundheitlichen Problemen und in der Krankheitsbewältigung
sehr weiter helfen, sind jedoch selten mit dieser Aufgabe betraut, so die Autoren. Barrieren der Selbsthilfeaktivitäten werden in diversen Gründen verortet, z. B. Analphabetismus, unterschiedliche
Auffassungen von Gesundheit und Krankheit sowie mangelndes Vertrauen in die eigene Kompetenz. Der Beitrag liefert neben diesem Problemaufriss eine Einführung in den aktuellen Stand der Literatur, eine Beschreibung der gesundheitsbezogenen Arbeit in Migrantenorganisationen und eine Zusammenfassung von möglichen Anlaufstellen.
Kossert, Andreas: Gelungene Integration. Die Vertriebenen und die bundesrepublikanische Wirklichkeit. Karlsruhe, Evangelische Akademie Baden 2009 (Herrenalber Forum, Bd. 57). 54 Seiten. 7,00 EUR. ISBN: 978-3-89674-558-3.
Vertriebene Deutsche und ihre Nachkommen aus den Gebieten östlich der Oder und Neiße sowie aus dem Sudetenland leben nun bereits seit mehr als sechzig Jahren in der Bundesrepublik. Mit der Aufarbeitung ihrer Erfahrungen wurden sie vielfach alleine gelassen oder als Verbände in Landsmannschaften häufig als revanchistisch abgestempelt. Kossert weist darauf hin, dass das Trauma der Vertreibung von 14 Millionen Menschen und die schwierige Einfindung an neuen Wohnorten nicht als gesellschaftliche Aufgabe begriffen wurden. Vielmehr sei Assimilierung zum Preis der kulturellen Selbstaufgabe verlangt worden. Er fordert zu einer Neubewertung der Versöhnungsarbeit durch Vertriebene auf und zu einer gemeinsamen Pflege des kulturellen Erbes.
Lünsmann, Gabriela: Betreuung von Migranten. Grundlagen und Arbeitshilfen. Reihe: Familie, Betreuung, Soziales. Bundesanzeiger Verlag, Köln, 2009, ISBN-10: 3-89817-555-3, 160 Seiten, mit CD-Rom, € 29,80, Einband: kartoniert/broschiert, ISBN-13:9783898175555.
Angesichts der am stärksten wachsenden Bevölkerungsgruppe der älteren Migranten sind Betreuer immer häufiger mit Fragen konfrontiert wie: Wie lauten die Regelungen des Aufenthaltsrechts? Welche Besonderheiten gelten im Verwaltungsverfahren oder im Sozialrecht? Darüber hinaus sind in der Migrantenbetreuung ganz spezifische Sachprobleme (z.B. Dolmetscher, kulturspezifische Anforderungen) zu bewältigen und besondere kommunikative Fähigkeiten gefragt. Ausgehend von Fallgestaltungen erläutert die Autorin häufige Problemkreise in der Betreuerpraxis - auch auf der Grundlage von Schaubildern und Checklisten -, zeigt Lösungswege auf und gibt die entsprechenden Instrumentarien (z.B. Anträge) an die Hand. Auf der CD-ROM sind rechtliche Grundlagen sowie verschiedene Anträge zur Weiterverwendung (word) enthalten. Gabriela Lünsmann ist seit sieben Jahren als Rechtsanwältin sowie Berufsbetreuerin und Verfahrenspflegerin in Hamburg tätig und auf Rechtsfragen der Migration und des Betreuungsrechts spezialisiert.
Menning, Sonja; Hoffmann, Elke: Ältere Migrantinnen und Migranten, hrsg. von GeroStat. Deutsches Zentrum für Altersfragen (Report Altersdaten 01/2009). Berlin 2009. 36 Seiten. --> Link.
Ältere Migranten sind mit einem Anteil von acht Prozent eine relativ kleine Bevölkerungsgruppe in Deutschland. Der GeroStat Report beschreibt die Lebenssituation der häufig in Deutschland älter gewordenen Gastarbeiter, Spätaussiedler und anderen Gruppen von Migranten im Ruhestand in Zahlen der Statistik. Er stellt Informationen aus diversen Datenquellen zusammen und gibt somit einen Überblick über einige Grunddaten, zum Teil auch im Vergleich mit Daten anderer Altersgruppen.
Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Familie des Landes Brandenburg – Die Integrationsbeauftragte des Landes Brandenburg Karin Weiss (Hrsg.): Zuwanderung und Integration im Land Brandenburg. Bericht der Integrationsbeauftragten des Landes Brandenburg. Potsdam, Mai 2009. 152 Seiten. --> Link.
Der Bericht der Integrationsbeauftragten des Landes Brandenburg analysiert auf der Datengrundlage des Mikrozensus 2005 erstmals die Situation der Migranten und die Bedeutung der Zuwanderung für die ostdeutschen Bundesländer. Hauptthemen sind die Darstellung von Unterschieden und Gemeinsamkeiten im Vergleich zu bundesweiten Voraussetzungen, die Zusammenarbeit gegen Fremdenfeindlichkeit mit diversen landesweiten Stellen sowie die Vorstellung von Arbeitsschwerpunkten. Dazu zählt neben der Umsetzung des Nationalen Integrationsplanes u. a. der Schnittpunkt von Migration, Gesundheit und Alter. Der Bericht enthält zudem eine Übersicht der bedeutendsten Handlungsfelder der brandenburgischen Integrationsarbeit und stellt ausgewählte Projekte und Vorhaben vor.
Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Familie und Frauen Rheinland-Pfalz (Hrsg.): Zuwanderungs- und Integrationsbericht der Landesregierung Rheinland-Pfalz. 2007-2008. Unter Mitarbeit der Beauftragten der Landesregierung für Migration und Integration Maria Weber. Mainz, Dezember 2009. 172 Seiten. --> Link .
Der dritte Zuwanderungs- und Integrationsbericht für die Jahre 2007 und 2008 möchte die Öffentlichkeit über die Integrationspolitik des Landes und die Situation der Zugewanderten in Rheinland-Pfalz informieren. Die Entscheidungen und Maßnahmen orientieren sich an der Leitlinie des Integrationskonzeptes „Verschiedene Kulturen – Leben gemeinsam gestalten“. Im ersten Abschnitt des dreiteiligen Berichtes werden acht postulierte Handlungsfelder, z. B. das Themenfeld Familie und Gesundheit, sowie der jeweilige Stand der Zielumsetzung beschrieben. So werden
das 2008 erschienene interkulturelle Begleitheft zum Familienpflegeratgeber und das Gesundheitsprojekt MiMi vorgestellt. Der zweite Teil informiert über den aktuellen Rechtsstand bzw. rechtliche Rahmenbedingungen auch auf europäischer Ebene, der letzte Teil enthält statistische Daten und Entwicklungen.
Ministerium für Generationen, Familie, Frauen und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen (Hg.): Gemeinsam in einer Gesellschaft des langen Lebens. Seniorenpolitische Leitlinien des Landes Nordrhein-Westfalen bis 2025. Düsseldorf: August 2009. --> Link
Zu Beginn der Publikation finden sich detaillierte Bevölkerungsstrukturdaten zu älteren Menschen sowie Schätzungen zur demografischen Entwicklung in Nordrhein-Westfalen. Die Zahlen werden nach Kategorien wie „Wohnen im Alter“, „Gesundheit und Pflege“ oder auch „Kulturelle Vielfalt im Alter“ analysiert und grafisch aufbereitet dargestellt. Informationen zu wichtigen Akteuren sowie zur Forschungs- und Beratungslandschaft werden vorgestellt und aufgrund dieser Vorarbeit seniorenpolitische Handlungsfelder identifiziert, so z. B. auch das Handlungsfeld „Ältere Menschen mit Zuwanderungsgeschichte“. Hier werden Benachteiligungen und Ressourcen dargestellt sowie Handlungsempfehlungen gegeben, wobei die Landesregierung vor allem die Verbesserung der Situation dieser Gruppe in allen Lebenslagen, die präventive Verbesserung der Bildungschancen von Migranten sowie die Anpassung der Einrichtungen und Dienste der Seniorenarbeit an diese neue Kundengruppe für erstrebenswert hält. Ein weiterer Akzent wird auch auf interkulturelle Trainings gelegt.
Ministerium für Generationen, Familie, Frauen und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen (Hrsg.): Nordrhein-Westfalen. Land der neuen Integrationschancen. Umsetzungsbericht zum
Aktionsplan Integration. Düsseldorf, Juni 2009. 60 Seiten. --> Link.
Zum dreijährigen Bestehen des „Aktionsplans Integration“ hat die Landesregierung einen umfassenden Umsetzungsbericht vorgelegt. Der „Aktionsplan Integration“ benannte in zunächst 20 Handlungsfeldern Schritte für eine moderne und realistische Integrationspolitik. Mit der vorliegenden Berichterstattung ist der Aktionsplan um vier weitere Handlungsfelder erweitert worden, darunter die Bereiche „Gesundheit“ sowie „Ältere Menschen mit Zuwanderungsgeschichte. Es werden konkrete Maßnahmen und Umsetzungsschritte zu allen Handlungsfeldern aufgezeigt. So wird u. a. über das Gesundheitsprojekt MiMi in NRW und über einen klinikinternen Dolmetscherdienst in Duisburg informiert. Im Handlungsfeld „Ältere Menschen mit Zuwanderungsgeschichte“ wird ausführlich über das AAMEE-Projekt berichtet.
Muthny, Fritz A.; Bermejo, Isaac (Hrsg.): Interkulturelle Medizin. Laientheorien, Psychosomatik und Migrationsfolgen. Köln: Deutscher Ärzte-Verlag 2009. 144 Seiten. 29,95 EUR. ISBN: 978-3-7691-1240-5.
Kulturelle Aspekte spielen längst eine große Rolle im Gesundheitssystem, wurden aber bislang kaum lösungsorientiert untersucht. Für die Behandlung von Patienten mit Migrationshintergrund benötigen Ärzte allerdings Kenntnisse über kulturelle und religiöse Hintergründe sowie über subjektive Laientheorien bzw. -vorstellungen von zentralen Erkrankungen. Der Sammelband möchte eine Grundlage für eine bessere Versorgung bieten. So stellen die Autoren in neun Kapiteln ihre jeweiligen Ergebnisse zu den unterschiedlichsten Feldern verständlich und mit Literaturhinweisen versehen vor. Sie informieren über kulturell bedingte Krankheitstheorien und Äußerungen zu psychosomatischen Beschwerden, thematisieren Traumatisierungen bei Flüchtlingen und Behandlungserfolge. Das Fazit zeigt diverse Konsequenzen auf - etwa für die Forschung - und bietet Empfehlungen zu veränderten Anamnesefragen, der Arbeit mit Dolmetschern und organisatorischen Veränderungen des Gesundheitssystems in einer multikulturellen Gesellschaft.
Nah & fern. Das Kulturmagazin für Migration und Partizipation. Heft 41: Schwerpunktthema Migration und Gesundheit. Karlsruhe: Von Loeper Literaturverlag, April 2009. 58 Seiten. 6,00 EUR. ISBN: 978-3-86059-541-1.
Interkulturelle Kompetenz und das Wissen über kulturspezifische Krankheitsvorstellungen müssen im Praxisalltag Fuß fassen. Das Magazin thematisiert daher in mehreren Beiträgen Wechselwirkungen zwischen Sprache, Kommunikation und Kultur in der Medizin und im Gesundheitssystem. Meryam Schouler-Ocak gibt in einem Interview über die Gesundheitsversorgung von Migranten auch Auskunft zu der Frage, ob Benachteiligung krank macht. Vorgestellt werden zudem der Leitfaden des Soziologen Stefan Gaitanides zur Bearbeitung und Lösung interkultureller Konflikte sowie die Arbeit des von Ramazan Salman entwickelten Dolmetscherdienstes im Ethno-Medizinischen Zentrum Hannover. Darüber hinaus finden sich Artikel zu den Themen kultursensible Therapiebeziehung, Krankheit als soziokulturelles Konstrukt, transkulturelle Öffnung der Pflege und Hospizdienste sowie Buchtipps und Links zum Schwerpunktthema.
Neuberger, Julia: Sterbende unterschiedlicher Glaubensrichtungen pflegen. 2., vollst. überarb. und erg. Aufl. Unter Mitarbeit von Silke Hinrichs und Karin Hitz. Bern: Huber Verlag 2009. 141 Seiten. 22,95 EUR. ISBN 978-3-456-84732-0.
Der Anspruch der Autorin dieses Bandes ist es, Pflegenden und interessierten Lesern eine grundlegende Orientierung über die Traditionen und Riten verschiedener Glaubensrichtungen zu bieten. Dabei wird nicht verschwiegen, dass die Autorin dazu jeweils verknappte und stark vereinfachte Zusammenfassungen der Glaubensrichtungen bietet, dafür aber jeweils genau die Fragen religionssensibler Pflege und Sterbebegleitung anspricht, die für Pflegende in Hospizen relevant sind. Es finden sich demnach Kapitel zu jüdischen, christlichen, afrikanischen und afro-karibischen, muslimischen, indischen, buddhistischen, chinesischen, japanischen und humanistischen religiösen Strömungen und Traditionen. Neben einer grundlegenden Einführung in die Geschichte des jeweiligen Glaubens werden wichtige Fragen zu Feiertagen und Essensvorschriften, Sterberitualen und Vorschriften für den Umgang mit den Toten sowie spirituellen Vorstellungen zu Leben, Tod und dem Leben nach dem Tod erörtert. Insgesamt bietet der Band eine gute Grundlage, die es ermöglicht, im individuellen Fall gezielt und informiert spezielle Bedürfnisse und Sensibilitäten von Patienten erfragen und berücksichtigen zu können. Er ist deshalb nicht nur für Menschen, die Sterbende unterschiedlicher Glaubensrichtungen pflegen, sondern generell für Mitarbeiter im Gesundheitssektor, die mit Menschen unterschiedlicher religiöser Hintergründe in Berührung kommen, zu empfehlen.
Rásky, Éva (Hg.): Gesundheit hat Bleiberecht. Migration und Gesundheit; Festschrift zum Anlass des 10-jährigen Bestehens des Ambulatoriums Caritas Marienambulanz in Graz. Wien: Facultas-Verl 2009. 384 Seiten. 24,20 EUR. ISBN 978-3-708-90375-0.
Die Festschrift stellt nicht nur die „Fremden“, die Migranten, in den Mittelpunkt. Vielmehr wird darin versucht, durch den multiperspektivischen Blick auf die Thematik im Spannungsfeld zwischen Gesundheit und Migration nicht nur Chancen und Lösungsmöglichkeiten zur besseren Versorgung von Migranten, sondern auch Versorgungsoptionen für die gesamte Bevölkerung zu eröffnen. In den insgesamt 42 Artikeln werden viele verschiedenen Themen beleuchtet, z. B. einzelne Erkrankungen, spezielle Hilfsprojekte, unterschiedliche Migranten- oder Religionsgruppen, besondere Bereiche des Gesundheitssystems Österreichs, Deutschlands und der Schweiz, Dolmetschen im Gesundheitswesen, ethno-kulturelle Diversität im Krankenhaus sowie psychiatrische Versorgung von Migranten. Darüber hinaus stellen einige Einrichtungen ihre Arbeit mit Migranten vor, so z. B. das Medinetz Mainz e.V. und die Malteser Migranten Medizin, die sich jeweils um Menschen ohne Papiere kümmern. Der Band bietet Literaturangaben und Kontaktdaten am Ende jedes Beitrages, die zur weiteren Information, Netzwerk- und Projektarbeit dienen können.
Razum, Oliver; Spallek, Jacob: Wie gesund sind Migranten? Erkenntnisse und Zusammenhänge am Beispiel der Zuwanderer in Deutschland. Hrsg. v. Hamburgischen WeltWirtschaftsInstitut
(HWWI). Bundeszentrale für Politische Bildung; Netzwerk Migration in Europa e.V. Hamburg. (Focus Migration - Kurzdossier, 12). Hamburg, April 2009. 10 Seiten. --> Link.
Macht Migration krank oder verbessert sie die gesundheitlichen Chancen? Dieser Frage widmen sich Oliver Razum und Jacob Spallek in einem Kurzdossier, das den aktuellen Stand der Diskussion über den Gesundheitszustand von Migranten und dessen Determinanten abbildet. Anhand ausgewählter empirischer Ergebnisse, u. a. zu den Themen Krebserkrankungen, psychische Erkrankungen, Gesundheitszufriedenheit und Sozialstatus, wird ein aktueller Querschnitt vorgelegt. Ebenso stellen die Autoren Zugangsbarrieren und Erklärungsmodelle vor, z. B. zum Phänomen des „gesunden Migranten“. Beklagt wird eine mangelhafte Differenzierung zwischen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund in den verfügbaren Routinedaten sowie ein Theoriedefizit in der Forschung.
Schaefer, Jacques-Emmanuel (Hrsg.): Alter und Migration. Tagungsband der 15. Gerontopsychiatrischen Arbeitstagung des Geriatrischen Zentrums an der Universitätsklinik Tübingen. Frankfurt am Main: Mabuse Verlag 2009. 132 Seiten. 19,90 EUR. ISBN: 978-3-938304-03-7.
Migration kann auf das Risiko, im Alter zu erkranken, einwirken. Im Rahmen der 15. Gerontopsychiatrische Arbeitstagung versammelten sich Experten aus verschiedenen Fachbereichen an der Universität Tübingen, um die gesundheitliche und soziale Situation älterer Migranten zu analysieren. Beispielhaft für die Notwendigkeit einer personenbezogenen Versorgung stehen die soziokulturellen Besonderheiten jüdischer Kontingentflüchtlinge. Ebenso werden die Herausforderungen für den Erhalt der psychischen Gesundheit in der sogenannten Gastarbeitergeneration benannt und Prozesse der interkulturellen Öffnung in der Altenhilfe aufgezeigt. Der Tagungsband enthält die Manuskripte der Vorträge und Workshops in überarbeiteter Form.
Schröder, Claudia; Nijhaus, Mechthild: Her yönüyle Bakim sigortasi. A´ dan Z´ ye bakim sigortasi hakkinda bilmek istediginiz [Durchblick Pflegeversicherung]. Hrsg. von der Familien – und Krankenpflege e.V. Essen. Essen 2009. 2,50 EUR zzgl. 1,50 EUR Versand. Bezug über die Familien- und Krankenpflege e.V. Essen: --> Link.
Die Broschüre „Durchblick Pflegeversicherung“ zur Orientierung von Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen wurde 2007 veröffentlicht und erscheint seit der Änderung des Pflegeversicherungsgesetzes bereits in der zweiten Auflage. Nun liegt sie in türkischer Übersetzung vor. Sie soll bei einem steigenden Anteil von pflegebedürftigen Migranten vor allem türkischen
Einwanderern die Möglichkeit bieten, Formulare, Leistungen und Vorgänge der Pflegeversicherung in ihrer Muttersprache nachvollziehen zu können.
Die Schwester Der Pfleger. Heft 9: Pflegen, was fremd ist. Kultursensibler Umgang mit Menschen anderer Länder (Bibliomed Medizinische Verlagsgesellschaft 2009). S. 833-936. 7,00 EUR
zzgl. Versand. ISSN: 0340-5303.
Das Septemberheft der Fachzeitschrift für Pflegende widmet sich mit vier Artikeln dem Schwerpunktthema „Kultursensible Pflege“. Beleuchtet werden vor allem die Kommunikation von Patient und Personal im Hinblick auf Umgangsschwierigkeiten und Missverständnisse im Pflegealltag. Daneben finden sich Kurzinformationen zu Migration und interkultureller Kompetenz. Einen weiteren Einblick in die Problematik bieten ein Fallbeispiel zu kulturellen Befindlichkeiten, eine Kurzgeschichte zum Problem fehlender und nonverbaler Kommunikation sowie die Vorstellung der interkulturellen Maßnahmen des Städtischen Klinikums München. Schließlich wird ein von Studierenden der Hochschule Esslingen entwickeltes Konzept zur Begleitung türkisch-muslimischer Sterbender erläutert und ein Auszug des dazugehörigen spirituellen Erfassungsbogens geboten.
Shefa Centrum für interkulturelle Gesundheitsförderung (Hrsg.): Abschlussbericht des Urban-II Projektes: „Interkulturelle Kommunikation und Begegnung“. Schwerpunkte: Prävention, Gesundheitsförderung und psychosoziale Beratung. Kiel 2009. 35 Seiten. --> Link.
Ziel der Migrantenselbstorganisation Shefa ist die bessere Einbindung und gesundheitliche Beratung von Migranten in Schleswig-Holstein. Der nun vorliegende Projektbericht vermittelt einen grundlegenden Einblick in die diversen Arbeitsfelder. Dazu gehören neben einer Förderung der Selbstverantwortung konkrete, niedrigschwellige Angebote, von Kontrolluntersuchungen bis hin zu psychosozialen Beratungen in deutscher oder den jeweiligen Muttersprachen, aber auch Kurse wie „Deutsch im Alltag“ oder Wassergymnastik. Bei 2189 beratenen Personen, merkbaren Verbesserungen sozialer Kompetenzen und oftmals in Eigeninitiative fortgeführten Kursen und gesundheitsfördernden Maßnahmen fällt das Fazit positiv aus: Die Angebote werden von der Zielgruppe angenommen und entsprechen ihren Bedürfnissen.
Sieben, Gerda: “…it’s what my life is all about!” Culturally Active Seniors in NRW: Access, Motives, Barriers. In: Fricke, Almuth; Dow, Sylvia (Hrsg.): Cultural Participation and Creativity in Later Life. A European Manual. München: Kopaed 2009 (Kulturelle Bildung, Bd. 14). S. 25-34. 16,80 EUR. ISBN: 978-3-86736-314-3.
Der Sammelband zum Thema kulturelle Partizipation im Alter beschreibt die vielfältigen Ansätze in der Kulturarbeit für, mit und von älteren Menschen in Europa. Gerda Sieben beschäftigt sich in ihrem Beitrag zu kulturell aktiven Senioren in Nordrhein-Westfalen mit Motiven und Erfahrungen von Bildung im Alter vor dem Hintergrund erlebter Migration. Kunst und Kultur bedeuten demnach nicht nur eine Form der ästhetischen Bereicherung oder Raum zur Selbsterfüllung, sondern ermöglichen die Gestaltung einer bedeutenden Plattform für den sozialen Dialog zwischen Generationen und Kulturen.
Stadtarchiv Hilden (Hg.): Wie war das noch damals? Geschichten der Zuwanderung. Ein Dokumentationsprojekt des Stadtarchivs und des Jugendparlaments Hilden. DVD. Länge: 131 Min., PAL 16:9. Hilden: Stadtarchiv Hilden 2010. 10,00 EUR (Schutzgebühr, Porto inkl.), beziehbar über das Stadtarchiv Hilden, Herrn Krambrock, Tel.: 02103-241879.
Filmisch wird hier ein Projekt des Jugendparlamentes Hilden in Kooperation mit dem Stadtarchiv Hilden dokumentiert. Die Projektidee erhielt einen von drei Hauptpreisen im Rahmen des landesweiten Wettbewerbs „Integrationsidee 2009“. Die DVD zeigt Interviews mit 13 Menschen aus den sog. Gastarbeiterländern Italien, Spanien, Griechenland, Türkei, Marokko, Portugal und dem ehemaligen Jugoslawien. Ein Stammmenü ermöglicht das separate Anwählen der einzelnen Interviews. Die Stellen, an denen die Interviewpartner in ihrer Muttersprache antworten, wurden untertitelt. Es mag vielleicht überraschend anmuten, dass die meisten älteren Migranten, die hier zu Wort kommen, eine positive Bilanz ihres Integrationsprozesses und ihres Leben in Deutschland ziehen. Gesamteindruck: Ein innovatives Projekt, dessen erfrischend sympathisch daherkommende filmische Dokumentation für pädagogische, öffentliche und private Zwecke nur zu empfehlen ist.
Streibel, Reinhard: Yalniz Değilsin! – Du bist nicht allein! Menschen mit Zuwanderungsgeschichte angemessen begleiten, in: Lamp, Ida (Hrsg.): Umsorgt sterben. Menschen mit Demenz in ihrer letzten Lebensphase begleiten. Mit einem Geleitwort von Andreas Kruse. Stuttgart: Kohlhammer 2009. S. 41 – 44. 29,90 EUR. ISBN: 978-3-17-020737-0.
Demenzkranke Menschen mit Migrationshintergrund sind in besonderem Maße auf die Hilfe ihrer Angehörigen, aber auch zunehmend auf Angebote professioneller Pflegestellen
und Ehrenamtlicher angewiesen. Im Rahmen ihres Leitmotivs möchte sich die Arbeiterwohlfahrt der Problematik annehmen. So verweist Reinhard Streibel mit seinem Aufsatz im vorliegenden
Sammelband auf den besonderen Mangel an ambulanten und stationären Altenhilfeeinrichtungen, die für Demenzkranke mit Migrationshintergrund eingerichtet sind oder muttersprachliches Personal beschäftigen. Angefügt findet sich eine Reihe von Adressen, Links und Hinweisen.
SuchtMagazin. Themenheft: Migration und Sucht, H. 4/2009. 47 Seiten. Als Einzelheft 10 EUR. Bern: Infodrog 2009. ISSN: 1422-2221.
Bereits früher sind im SuchtMagazin mehrere Einzelartikel zum Thema Migration erschienen. Teilweise enthält die Themenausgabe von 2009 diese Artikel in überarbeiteter Form. Deutlich wird dabei vor allem der veränderte Sprachgebrauch: „interkulturell“ wird zu „transkulturell“, „migrationsspezifisch“ wird zu „migrationsgerecht“, „AusländerInnen“ werden zu „MigrantInnen“, „Chancengleichheit“ wird zu „Chancengerechtigkeit“ usw. Die Artikel zeigen sich inhaltlich breit gefächert: Mit Bezug zur Schweiz werden beispielsweise die Internetplattform migesplus, die mehrsprachige Gesundheitsinformationen bietet, oder das casa fidelio, ein Rehabilitationszentrum für suchtmittelabhängige Männer, als Projekte vorgestellt. Des Weiteren finden sich einführende wissenschaftliche Artikel über „Migration als Kontext und Prozess“ (S. 4-11), zum Themenkomplex „Migration und Gesundheit“ (S. 12-16) oder zum Konzept „Migrationsgerechter Suchtarbeit“ (S. 17-19). Der Frage, was die Zielsetzung „transkulturelle Prävention und Gesundheitsförderung“ im Rahmen von Öffnungsprozessen in Organisationen praktisch bedeutet und wie dies gelingen kann, wird ebenfalls nachgegangen (S. 28-29). Herauszuheben ist der wissenschaftliche Anspruch der Artikel und die sorgfältigen Literatur- und Quellenbelege, die einen immensen Mehrwert über die einzelnen Artikel hinaus begründen.
Team Gemeindepsychiatrie der Region Hannover als Geschäftsführung des Sozialpsychiatrischen Verbundes (Hrsg.): Sozialpsychiatrische Versorgungssituation von Migrantinnen und Migranten in der Region Hannover. Eine Studie der Fachgruppe Migration und Psychiatrie, verfasst von Ahmet Kimil und Ramazan Salman (Sozialpsychiatrische Schriften, Bd. 2). Hannover 2009. 123 Seiten. --> Link.
Die Fachgruppe Migration und Psychiatrie untersuchte die Auswirkungen von kultureller Vielfalt auf die psychiatrische Versorgung im Raum Hannover auf der Grundlage von Befragungen diverser sozialpsychiatrischer Einrichtungen. Die Diskussion der Ergebnisse, etwa das Missverhältnis von mehrsprachigem Personal gegenüber einer prozentual größeren Anzahl von Migranten, sowie die Formulierung von Konsequenzen und Perspektiven für die Arbeit mit Migranten weisen auf Zusammenhänge von Verständigungsschwierigkeiten, Fehl- und Falschversorgung und volkswirtschaftlichen Mehrkosten hin. Zur effizienteren Umsetzung haben die Autoren einen Empfehlungsbogen für die Praxis zusammengestellt.
Thema Stottern – Infomaterial in türkischer Sprache, 2009. Herausgegeben durch die Bundesvereinigung Stotter-Selbsthilfe e.V.. 24 Seiten. Bestellbar unter --> Link
Die Broschüre „Was Sie schon immer über Stottern wissen wollten“ der Bundesvereinigung Stotter-Selbsthilfe e.V. (BVSS) ist nun auch in türkischer Sprache vorrätig. „Kekemelik hakkinda bilmek istedikleriniz“ beantwortet die häufigsten Fragen zu den Ursachen und Auswirkungen, zu Therapiemöglichkeiten und zum Umgang mit Stottern. Die Broschüre ist kostenfrei. Im Laufe dieses Jahres werden weitere Broschüren zum Thema für Eltern, Jugendliche und Erwachsene in türkischer und russischer Sprache veröffentlicht werden. Informationen dazu werden zu gegebener Zeit auf der Website verfügbar sein.
Verbraucherzentrale Bremen: Einkaufsführer für Muslime. Produktlisten für den Lebensmitteleinkauf, Tipps zur gesunden Ernährung, unter Mitarbeit von Regina Aschmann und Ileana von Puttkammer. Berlin, Verbraucherzentrale Bundesverband, 4. überarb. Aufl. 2009 (Verbraucherzentrale Ratgeber). 156 Seiten. 4,50 EUR zzgl. Versand. Download der türkischen Kurzfassung: --> Link.
Muslime, aber auch Vegetarier, die Speisevorschriften beachten oder konsequent auf das Fleisch von Schlachttieren verzichten möchten, finden auf der Zutatenliste der Lebensmittelverpackungen
nicht immer genügend Informationen zu den jeweiligen Inhaltsstoffen. Der Einkaufsratgeber möchte diese Lücke schließen und Wegweiser sowie rasche Orientierung für einen Produkt-Grundstock von Molkereiprodukten, Gewürzen bis Tiefkühlkost bieten. Neben den Erzeugnissen von über 120 Firmen sowie Hinweisen auf ökologische und vegane Kennzeichnung finden sich Auszüge aus dem Lebensmittelrecht und Tipps zur gesunden Ernährung.
Verein Niedersächsischer Bildungsinitiativen e.V. (Hrsg.): Focus Integration. Self-Organisation as a Means to Integration of Third Country Nationals in Europe. Unter Mitarbeit von Anke Egblomassé und Tino Boubaris. Hannover 2009. 48 Seiten. --> Link.
Informationen zu Selbstorganisationen von Migranten aus sechs europäischen Ländern finden sich in dieser englischsprachigen Broschüre des Vereins Niedersächsischer Bildungsinitiativen.
Sie wurde im Rahmen des von der EU-Kommission geförderten Projektes „Focus Integration“ erstellt. Die Veröffentlichung bietet neben Länderberichten zur Situation und den Aktivitäten der Migrantenorganisationen in Deutschland, Dänemark, Italien, Tschechien, der Slowakei und Rumänien eine Einführung zu ihrer Rolle im Integrationsprozess der jeweiligen Länder sowie Empfehlungen an Politik und Praxis zur Weiterentwicklung von Selbstorganisationen.
VIA Magazin: Themenheft: Migration und Gesundheit, Jg. 2-XII-10, 2. Ausgabe, 2010. Herausgegeben vom Verband für interkulturelle Arbeit VIA e.V.. 76 Seiten. 2,05 EUR. ISSN 0943-1985.
Das Themenheft versammelt auf 76 Seiten insgesamt acht Artikel im Themenfeld Migration und Gesundheit. Besonders relevant bezüglich älterer Migranten ist dabei der Beitrag von Doris Laugewitz, die die diversen Problemstellungen im Spannungsfeld von Migration, Gesundheit und Pflege beleuchtet (S. 2-8). Des Weiteren enthält das Heft einen Bericht über des VIA-Projekt „Gesundheit für Migranten – Sensibilisierung und Prävention“, das von 2008 bis 2010 am Projektstandort Duisburg lief und sich primär an türkische Migranten richtete. Darüber hinaus gibt es Beiträge zu den Themen Diabetes, Ernährungsberatung, Selbsthilfe und Migration als psychischem Prozess. Zahlreiche Literaturtipps und Kontaktdaten laden zu Nachfrage und Vertiefung der Thematik ein.
Weber, Armin J.: Ein Wegweiser für Berlin. Ausgabe 2009. Zuständigkeiten und Ansprechpartner bei Behörden, Verbänden und Vereinen, hg. vom Beauftragten des Senats von Berlin für Integration und Migration, Günter Piening (Berliner Beiträge zur Integration und Migration). Berlin, November 2009. 290 Seiten. 4,00 EUR. ISBN: 978-3-938352-44-1.
--> Link.
Mit dem vierten und stark erweiterten Wegweiser haben die Autoren ein besonders ausführliches Adressenkompendium vorgelegt. Es beinhaltet vielfältige Beratungsstellen, Migrationsdienste, Verbände etc. mitsamt Kontaktadressen, Öffnungszeiten und Sprachangeboten – sortiert nach Verwaltungsbezirken, diversen Organisationen, kulturellen und religiösen Einrichtungen, aber auch nach Themenschwerpunkten wie Ältere Menschen (S. 190 f.) und Gesundheit. Zur besseren Übersicht ist dem Kompendium ein alphabetisches Inhaltsverzeichnis beigefügt. Die kostenlose Download-Version ist mit Suchfunktion und weiterführenden Links ausgestattet.
Zabel, Ulrika: Altern in der Migration. Vom Gastarbeiter zum Bettnachbarn. In: Carestyle, Heft 02, 2009, S. 6-8. Bestellung: http://www.dvlab.de/carestyle/carestyle_abo.php.
Die permanente Pflege älterer Angehöriger kann auch in Zuwandererfamilien immer seltener vollständig übernommen werden. Ulrika Zabel weist in ihrem Beitrag auf den schwierigen Spagat der Pflegenden mit Migrationshintergrund hin, die sich zwischen dem erwarteten Ideal der Versorgung innerhalb einer Großfamilie und alltäglichen Hindernissen wie Vollzeitbeschäftigung oder räumlicher Entfernung bewegen. Konsequenzen in der Praxis der Altenhilfe kann die Autorin kaum ausmachen, obwohl der Bedarf an zielgruppenspezifischen Konzepten stark angewachsen ist. Nötig seien daher u. a. die Umsetzung kulturoffener Leitbilder und eine interkulturelle Schulung des Pflegepersonals. Ebenso müsse in der Beratung und Information der Älteren wie auch ihrer Angehörigen auf niederschwellige und kultursensible Angebote gesetzt werden, da die bisherige Verfahrensweise der Gleichbehandlung die Andersartigkeit der Zugewanderten eher noch verstärke und diese dadurch benachteilige.
Zeitschrift für Gerontopsychologie und -psychiatrie. Themenheft: Altern in der Migration, Jg. 22, H. 4. 85 Seiten. Als Einzelheft 34 EUR. Bern: Huber Verlag 2009. ISSN 1011-6877.
Das im Editorial als Kulminationspunkt der realen Bedingungen älterer Migranten und Akteure im Gesundheitswesen formulierte Kernproblem – wie schafft man Strukturen, die sowohl den individuellen Lebenskontext der älteren Migranten widerspiegeln, aber noch in der Umsetzung praktikabel bleiben? – versuchen die Autoren aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten. Es werden z. B. die Ergebnisse eines wissenschaftlichen Forschungsprojekts zur Pendelmigration älterer griechischer Migranten vorgestellt und deren Probleme und Ressourcen herausgearbeitet (S. 141-154). In einem Erfahrungsbericht über das Berliner Netzwerk „Türkischsprachig und Demenz“, welches zum Ziel hat, Angehörige türkischsprachiger Demenzpatienten zu informieren und ihnen Hilfsangebote aufzuzeigen, wird kritisch über Erfahrungen, Hindernisse und Verbesserungsmöglichkeiten reflektiert (S. 155-158). Die Rahmenbedingungen und Vorstellungen der Randgruppe allein stehender, älterer Frauen aus der Zuwanderergeneration sind Thema eines weiteren Beitrags (S. 159-168). Darüber hinaus werden die Ergebnisse einer Studie vorgestellt, welche zum Ziel hatte, spezifische Pflegebedürfnisse der vulnerablen Klientel der NSVerfolgten mit Migrationshintergrund in der Geriatrie zu erheben. Dabei wurden Parallelen in den Verhaltensweisen der meist aus unterschiedlichen sozialen Milieus stammenden Individuen in Bezug zu ihren traumatischen Erfahrungen festgestellt (S. 169-174). Ein anderer Artikel widmet sich der Problematik der neuropsychologischen Untersuchungsverfahren im Rahmen averbaler Demenzscreenings für Migrations-Patienten und stellt die Ergebnisse einer hierzu angestellten, vergleichenden Studie zu verschiedenen Screeningansätzen vor (S. 175-179).
Zielke-Nadkarni, Andrea; Hilgendorff, Christina; Schlegel, Sonja; Poser, Märle: "Man sieht nur, was man weiß" – NS-Verfolgte im Alter. Fallgeschichten und Lernmaterialien. Frankfurt a. M.: Mabuse 2009. 199 Seiten. 18,90 EUR. ISBN: 978-3-940529-25-1.
Die Autorinnen des Lehrbuches haben ein umfassendes Arbeitsbuch für die Altenpflegeausbildung zum Erlernen und Vertiefen eines sensiblen Umgangs mit im Nationalsozialismus verfolgten älteren Menschen verfasst. Neben dem zunächst vorgestellten Kontext der Situation von NS-Verfolgten vor und nach 1945 sowie Theoriekapiteln zu Trauma und traumatischen Nachwirkungen bietet das Buch einen Einblick in zehn Einzelschicksale bzw. –fälle, die von praktischen Handreichungen für den Unterricht inklusive Arbeitsaufgaben begleitet werden. Der inhaltliche Teil wird mit einer Tabelle möglicher Trigger, Medienhinweisen und einer Liste zu Informations- und Beratungsstellen abgerundet. Angesichts der ca. 100.000 Menschen in Deutschland, die noch unter den Folgen ihrer (Lager-) Haft leiden und aufgrund ihres Alters zunehmend pflegerischer Unterstützung bedürfen, wird dieses Thema zu einer nötigen und wünschenswerten Ergänzung der Altenpflegeausbildung.
Zippel, Christian; Kraus, Sybille (Hrsg.): Soziale Arbeit für alte Menschen. Ein Handbuch für die berufliche Praxis. Frankfurt am Main: Mabuse Verlag 2009. 508 Seiten. 29,90 EUR. ISBN: 978-3-940529-22-0.
Soziale Arbeit mit älteren Menschen stößt nicht nur aufgrund demographischer Entwicklungen auf vielfältige Herausforderungen. Das Handbuch möchte Studierenden und den in diesem Bereich Tätigen nicht nur ein wissenschaftliches Fundament bieten, sondern auch einen aktuellen und zweckmäßigen Zugriff auf benötigte Informationen, etwa auf Gesetzesgrundlagen und relevante Adressen. Das Thema interkulturelle Arbeit mit älteren Migranten wird in einem Beitrag von Silva Demirci und Dorothea Grieger behandelt. Sie weisen auf den erhöhten Bedarf an kultursensibel geschultem Personal und die Wichtigkeit der Partizipation von Betroffenen und ihren Angehörigen hin, aber auch auf den Nutzen der Zusammenarbeit mit eigenethnischen Netzwerken. Gleichsam betonen sie angesichts gesundheitlich unterversorgter Migranten die interkulturelle Öffnung der Regeldienste.